Herzstillstand und einfache Wiederbelebung im Rettungswagen
HLW, Defibrillator und die Rettungskette
Einleitung
Wenige Aufgaben sind so klar und so unbarmherzig wie ein Herzstillstand. Der Patient hat keinen Puls und atmet nicht normal, und von diesem Augenblick an sinkt die Überlebenschance mit jeder Minute ohne Behandlung. Als Rettungssanitäter ist das deshalb eine der Fertigkeiten, die du völlig automatisch ausführen können musst, egal wie unvorhersehbar oder chaotisch die Lage vor Ort ist.
Die Kette, die Leben rettet
Dansk Råd for Genoplivning (dänischer Wiederbelebungsrat) und die europäischen ERC-Leitlinien bauen die Wiederbelebung um ein Prinzip herum auf, das "Rettungskette" genannt wird. Der Gedanke ist, dass das Überleben nach einem Herzstillstand davon abhängt, dass eine Reihe von Gliedern schnell und in der richtigen Reihenfolge ausgeführt wird – versagt ein Glied, sinkt die Überlebenschance deutlich, egal wie gut die übrigen Glieder ausgeführt werden.
- 01Frühe Erkennung und Alarmierung — jemand erkennt den Herzstillstand und wählt sofort 1-1-2
- 02Frühe Herz-Lungen-Wiederbelebung (HLW) — die Kompressionen beginnen, bevor der Rettungswagen eintrifft
- 03Frühe Defibrillation — ein Defibrillator (AED) wird so schnell wie möglich eingesetzt
- 04Frühe erweiterte Versorgung — deine fachliche Arbeit mit Atemweg, Sauerstoff, Medikamenten und Transportentscheidung
Basisreanimation Schritt für Schritt
Wenn du bei einem möglichen Herzstillstand eintriffst, beginnst du immer damit, Bewusstsein und Atmung zu beurteilen. Reagiert der Patient nicht und atmet unnormal oder gar nicht, behandelst du es als Herzstillstand und beginnst mit Kompressionen, ohne Zeit mit Zweifeln zu verlieren. Die Ausnahmen, bei denen man erst eine Minute lang Basismaßnahmen durchführt, bevor man alarmiert, sind Ertrinkungsunfälle, Traumata und Vergiftungen — sonst alarmiert man zuerst und beginnt danach mit der Behandlung.
| Element | Empfehlung aus den ERC-Guidelines 2021 |
|---|---|
| Druckfrequenz | 100-120 Kompressionen pro Minute |
| Drucktiefe | 5-6 cm beim erwachsenen Patienten |
| Verhältnis Kompression/Beatmung | 30 Kompressionen zu 2 Beatmungen |
| Unterbrechungen | Muss so weit wie möglich minimiert werden — jede Pause senkt den Druck im Kreislauf |
| Entlastung zwischen den Kompressionen | Der Brustkorb muss sich wieder vollständig heben dürfen |
Der Defibrillator ist Teil des Teams
Sobald ein Defibrillator verfügbar ist — entweder euer eigener aus dem Rettungswagen oder einer, der bereits von Anwesenden oder einem freiwilligen Ersthelfer angebracht wurde — wird er eingeschaltet und die Elektroden werden sofort aufgeklebt. Sowohl halb- als auch vollautomatische Defibrillatoren analysieren den Herzrhythmus der Patientin oder des Patienten selbst und führen die Anwendenden per Stimme und Bildschirm; deine Aufgabe ist es, dafür zu sorgen, dass die Kompressionen nur für den kurzen Moment pausieren, den das Gerät für Analyse und Schock benötigt.
Deine Rolle als Rettungssanitäter
Am Einsatzort bist du oft derjenige, der den Einsatz strukturiert: Du übernimmst oder setzt die Kompressionen einer anwesenden Person fort, verteilst die Aufgaben zwischen dir und deinem Partner oder einem Ersthelfer, sicherst die freien Atemwege, gibst Sauerstoff und nimmst die Zeit auf, wann der Herzstillstand entdeckt wurde und wann jede Maßnahme durchgeführt wurde. Diese Zeitpunkte sind entscheidend, sowohl für die weitere Behandlung im Krankenhaus als auch für eure Dokumentation im präklinischen Patientenprotokoll.
Die Wiederbelebung ist deshalb nicht nur eine Frage der Technik. Sie ist auch eine Frage von Ruhe, klarer Kommunikation und der Fähigkeit, an der Systematik festzuhalten, selbst wenn Angehörige unter Schock stehen und die Lage chaotisch wirkt. Je automatischer die Grundfertigkeiten sitzen, desto mehr Kapazität hast du, um den Rest des Einsatzes zu leiten.
Wenn du beim Einsatz nicht allein bist
In vielen Fällen kommt ihr nicht als Einzige an. Ein Herzhelfer, ein zufälliger Passant mit Erste-Hilfe-Kurs oder Kollegen von Feuerwehr und Polizei können schon dabei sein, wenn ihr vorfahrt. Deine Aufgabe ist es dann, dir schnell einen Überblick zu verschaffen: Wie lange dauert der Herzstillstand schon an? Wurde ein Schock abgegeben? Wann begannen die Kompressionen? Diese Information musst du einholen, ohne die Wiederbelebung selbst unnötig zu unterbrechen, und sie muss in die Dokumentation, damit der weitere Verlauf im Krankenhaus auf einem korrekten Bild dessen aufbauen kann, was bereits getan wurde.
Die Entscheidung darüber, wann eine Wiederbelebung fortgesetzt und wann sie beendet werden soll, liegt selten allein bei dir als Rettungsassistent — sie wird oft in Absprache mit einem Arzt getroffen, entweder vor Ort oder telefonisch über die Leitstelle. Unabhängig vom Ausgang ist eine vollständige Dokumentation des Verlaufs entscheidend, sowohl für die Angehörigen, die später Antworten brauchen, als auch für das fachliche Lernen, das der Rettungsdienst daraus mitnehmen kann.