Fossilfreie Baustelle: elektrisch betriebene Maschinen und grüner Betrieb
So stellt die Baustelle von Diesel auf Strom um
Einleitung
Eine traditionelle Baustelle klingt und riecht nach Diesel: Bagger, Dumper, Aggregate und Heizkanonen laufen von morgens bis abends mit fossilem Kraftstoff. Diese Gewohnheit ist in rascher Veränderung. Immer mehr Kommunen und Bauherren verlangen inzwischen, dass die Maschinen auf ihren Projekten fossilfrei oder emissionsfrei sind — und das Bygningsreglement (dänische Bauordnung) hat zum ersten Mal eine eigene Grenze für die Emissionen des Bauprozesses selbst festgelegt.
Warum ist die Baustelle in den Fokus gerückt?
Arbeitsmaschinen auf Baustellen stoßen erhebliche Mengen CO2 und Partikel aus, und sie tun das nah an Menschen — sowohl an Handwerkern als auch an Nachbarn. Bei der Umstellung geht es deshalb um zwei Dinge auf einmal: geringere Klimabelastung und ein besseres Arbeitsumfeld mit weniger Lärm und Abgasen. Mehrere Kommunen, darunter Kopenhagen, arbeiten auf das Ziel hin, eine der ersten CO2-neutralen Hauptstädte der Welt zu werden, und haben als Teil davon Anforderungen an fossil- und emissionsfreie Maschinen bei Ausschreibungen von Bau- und Anlagenaufgaben erprobt.
So werden die Anforderungen in der Praxis skaliert
Die Anforderungen werden typischerweise schrittweise eingeführt, weil der Markt für elektrisch betriebene Maschinen noch im Aufbau ist, besonders für die schwersten Aufgaben. Ein in der Praxis gesehenes Modell ist, an die leichten Maschinen sofort scharfe Anforderungen zu stellen, während die schweren Maschinen eine Übergangsfrist erhalten.
- 01Maschinen unter ca. 2,5 Tonnen müssen elektrisch angetrieben sein, da der Markt hier bereits ausgereifte Alternativen bietet
- 02Größere Maschinen, die es noch nicht als elektrisch angetriebene Varianten auf dem Markt gibt, können in einer Übergangszeit mit Biodiesel statt mit gewöhnlichem Diesel fahren
- 03Die Anforderungen werden typischerweise mit der Zeit verschärft, in dem Maße, wie mehr elektrisch betriebene Modelle auf den Markt kommen
- 04Ladeinfrastruktur und Stromversorgung auf der Baustelle müssen früh geplant werden, damit die Maschinen in Pausen geladen werden können
Was sieht man auf einer fossilfreien Baustelle?
Auf einer Baustelle im Wandel sieht man zunehmend batteriebetriebene Minibagger, elektrische Radlader, Akku-Handwerkzeug und Batteriepakete oder Solarzellen statt Dieselaggregaten für den Strom auf der Baustelle. Die Metroselskabet ist ein Beispiel für einen Bauherrn, der mit elektrisch betriebenen Baumaschinen gebaut hat, um den Klimaabdruck der eigentlichen Bauarbeiten zu senken, nicht nur den des fertigen Gebäudes.
- 01Batteriebetriebene Minibagger und Radlader für Erd- und Tiefbauarbeiten
- 02Akkubetriebenes Handwerkzeug statt benzin- oder druckluftbetriebenem
- 03Ladesäulen oder mobile Batteriepakete statt Dieselaggregaten
- 04Wärmequellen mit Strom oder Biobrennstoff statt ölbefeuerter Heizkanonen
Die Herausforderungen sind real
Die Umstellung verläuft nicht ohne Hindernisse. Elektrisch angetriebene Maschinen sind in der Anschaffung oft teurer, auch wenn sie im Betrieb günstiger sein können. Für die schwersten Aufgaben — große Bagger, Krane und Lkw — gibt es bislang nur wenige elektrische Alternativen auf dem Markt. Und eine Baustelle hat nicht immer die Stromversorgung, die zum gleichzeitigen Laden mehrerer Maschinen nötig ist, was eine neue Planung des Stromanschlusses früh im Projekt erfordert.
Anforderungen in Ausschreibungen ändern, wer den Auftrag gewinnt
Wenn eine Kommune oder ein Bauherr Anforderungen an einen fossilfreien oder emissionsfreien Betrieb in die Ausschreibungsunterlagen schreibt, wird das ein Teil des Wettbewerbs zwischen den Bauunternehmen und nicht nur eine technische Bedingung. Ein Unternehmen, das bereits elektrisch angetriebene Maschinen und Erfahrung mit der Planung von Ladeinfrastruktur hat, steht bei der Angebotsabgabe stärker da als eines, das sich erst umstellen muss, wenn der Vertrag unterschrieben ist. Das schafft einen Marktdruck, früh in den grünen Maschinenpark zu investieren, statt zu warten, bis die Anforderungen überall unabdingbar werden.
Was bedeutet das für den einzelnen Mitarbeiter?
Für Handwerker auf der Baustelle ist die Umstellung ganz konkret spürbar: weniger Lärm und Abgase machen den Arbeitstag gesünder, während neue Routinen rund um Ladung und Antriebsmittel voraussetzen, dass man den Strombedarf der Maschinen kennt und die Arbeit danach plant. In dem Maße, wie mehr Bauherren und Kommunen entsprechende Anforderungen in ihre Ausschreibungen aufnehmen, wird Wissen über den fossilfreien Betrieb zu einer Kompetenz, die branchenweit gefragt ist.
Die Arbeit mit akkubetriebenen Maschinen erfordert auch neue Gewohnheiten: Die Reichweite des Akkus muss bekannt sein, Ladezeiten müssen in die Tagesplanung eingehen, und man muss sich daran gewöhnen, dass eine Maschine nicht einfach in fünf Minuten volltanken kann, wie es eine dieselbetriebene konnte. Dafür erleben viele, dass elektrisch angetriebene Maschinen leichter präzise zu bedienen sind, weil sie schneller und gleichmäßiger reagieren als Verbrennungsmotoren — ein Nebengewinn, der die, die der Umstellung zunächst skeptisch gegenüberstehen, oft überrascht.