Klimafreundliche Materialwahl im Bauwesen
Warum dasselbe Material einen sehr unterschiedlichen Klimaabdruck haben kann
Einleitung
Wenn der Klimafußabdruck eines Bauwerks unter die Grenzwerte des dänischen Bygningsreglement (Bauordnung) gebracht werden soll, ist die Materialwahl oft die Stelle, an der sich die größte Wirkung holen lässt. Die Materialien machen nämlich in der Regel einen großen Teil der gesamten Klimabelastung eines Gebäudes aus, noch bevor das Gebäude überhaupt genutzt wird.
Biogene und mineralische Materialien
Baustoffe werden im Klimazusammenhang oft in zwei Hauptgruppen unterteilt. Biogene Materialien wie Holz, Stroh und andere pflanzenbasierte Materialien haben CO2 aus der Atmosphäre aufgenommen, während sie wuchsen, und können deshalb unter den richtigen Bedingungen in der Produktionsphase einen geringeren oder sogar vorübergehend negativen Klimaabdruck haben. Mineralische Materialien wie Beton und Ziegel benötigen in der Herstellung typischerweise mehr Energie und stoßen im Produktionsprozess direkt CO2 aus, unter anderem aus der Zementherstellung.
- 01Biogene Materialien: Holz, Stroh und andere pflanzenbasierte Baustoffe
- 02Mineralische Baustoffe: Beton, Ziegel und andere Materialien auf Basis abgebauter Rohstoffe
- 03Metalle: Stahl und Aluminium, die in der Produktion oft einen hohen Fußabdruck haben, sich aber viele Male wiederverwerten lassen
- 04Dämmstoffe: können sowohl mineralisch als auch biogen sein, mit sehr unterschiedlichem Fußabdruck
Dasselbe Material kann stark variieren
Es ist ein Missverständnis, dass ein Material immer 'die grüne Wahl' ist. Zwei Lieferanten desselben Materials können sehr unterschiedliche Klimaabdrücke haben, je nachdem, welche Energiequelle ihre Produktion nutzt, wie effizient der Prozess ist und wie weit das Material zur Baustelle transportiert wird. Genau deshalb sind produktspezifische EPDs so wichtig — sie zeigen den tatsächlichen Abdruck des konkreten Produkts, das man einsetzen will, statt einer Annahme allein auf Basis der Materialart.
Wiederverwendung und Lebensdauer zählen ebenfalls mit
Beim Klimaabdruck geht es nicht nur um die Herstellung des Materials, sondern um seine gesamte Lebensdauer. Eine wiederverwendete Ziegelpartie oder eine wiederverwendete Stahlkonstruktion kann einen deutlich niedrigeren Abdruck haben als neues Material, weil die Produktionsphase bereits früher 'bezahlt' wurde. Materialien, die lange halten und instand gehalten werden können, verringern zudem den Bedarf an Austausch und damit an neuem Materialverbrauch über die Lebensdauer des Gebäudes.
So geht es in die Rechnung des BR18 ein
Wenn die Ökobilanz (LCA) eines Projekts die Grenzwerte der Bauordnung einhalten muss, wird die Materialwahl unmittelbar Teil der Frage, ob das Projekt besteht oder nicht. Ein Projekt, das mehr biogene Materialien, wiederverwendete Komponenten oder Produkte mit nachgewiesen niedrigem Fußabdruck über produktspezifische EPDs wählt, steht in der Bilanz oft besser da als ein Projekt, das sich allein auf traditionelle Materialwahl und generische Daten stützt.
- 01Erwäge biogene Alternativen, wo die Konstruktion es zulässt
- 02Prüfe die Möglichkeiten für wiederverwendete oder recycelte Materialien
- 03Bevorzuge bei klimaregulierten Projekten Materialien mit produktspezifischen EPDs
- 04Denk daran, dass Haltbarkeit und lange Lebensdauer auch ein Klimavorteil sind
Für Handwerker und Einkäufer bedeutet das, dass es bei der Materialwahl nicht mehr nur um Preis, Festigkeit und Verfügbarkeit geht — der CO2-Fußabdruck ist ein vierter Faktor geworden, der zunehmend mitwiegt, wenn ein Projekt die Vorschriften erfüllen soll.
Renovierung versus Neubau
Die Klimabilanz gilt in erster Linie für Neubauten, aber dieselben Prinzipien sind bei einer Renovierung relevant. Eine bestehende Baukonstruktion zu erhalten und wiederzuverwenden, statt abzureißen und neu zu bauen, vermeidet oft große Teile des Klimaabdrucks, der sonst bei der Herstellung neuer Materialien entstünde. Deshalb ist eine gründliche Beurteilung, ob etwas erhalten, repariert oder aufgewertet werden kann, oft die erste und klimafreundlichste Frage — noch bevor die Wahl zwischen verschiedenen neuen Materialien überhaupt zur Debatte steht.
Raumklima und Materialwahl hängen zusammen
Eine klimafreundliche Materialwahl darf nicht isoliert von anderen Aspekten wie Raumklima, Feuchteverhältnissen und Haltbarkeit gesehen werden. Ein biogenes Material, das nicht korrekt gegen Feuchte geschützt ist, kann eine kurze Lebensdauer bekommen und damit doch einen höheren gesamten Klimaabdruck haben, weil es öfter ausgetauscht werden muss. Die gute Materialwahl ist deshalb immer eine Gesamtbewertung von Klimaabdruck, Funktion und Haltbarkeit zusammen — keine isolierte Jagd nach dem Material, das in einer einzelnen Rechnung am besten aussieht.