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Die Nachhaltigkeitsziele in der Praxis: vom Plakat zur Handlung am Arbeitsplatz

So werden die 17 Nachhaltigkeitsziele der UN zu etwas Konkretem, mit dem man arbeiten kann

Einleitung

Die 17 Nachhaltigkeitsziele der UN für nachhaltige Entwicklung, oft SDGs (Sustainable Development Goals) genannt, wurden 2015 als gemeinsame globale Agenda bis 2030 verabschiedet. Sie decken alles ab, von Armut und Gesundheit über Gleichstellung und sauberes Wasser bis hin zu Klima, verantwortungsvollem Konsum und Partnerschaften. Viele Unternehmen haben die farbenfrohen Symbole an die Wand gehängt — aber längst nicht alle haben sie in etwas übersetzt, das Entscheidungen wirklich steuert.

17 Ziele sind zu viele, um sie auf einmal zu bearbeiten

Ein häufiger Fehler ist der Versuch, an allen 17 Zielen gleichzeitig zu arbeiten. Das verteilt den Einsatz so dünn, dass nichts davon zu wirklicher Handlung wird. Die Empfehlung derer, die beruflich mit den Nachhaltigkeitszielen in der Wirtschaft arbeiten, lautet stattdessen, einige wenige Ziele auszuwählen — oft werden höchstens zwei bis drei vorgeschlagen —, auf die das Unternehmen tatsächlich Einfluss hat und die mit seinem Geschäft zusammenhängen.

Wesentlichkeit: Finde die Kennzahlen, die für euch zählen

Um die richtigen Ziele zu finden, machen viele Unternehmen eine Wesentlichkeitsanalyse: eine Einschätzung, welche Nachhaltigkeitsziele die Aktivitäten des Unternehmens am stärksten beeinflussen und welche zugleich das eigene Geschäft des Unternehmens am stärksten beeinflussen — zum Beispiel durch Risiken oder neue Märkte. Die Ziele, die dem Kerngeschäft des Unternehmens am nächsten liegen, sind die, die den wirklichsten Einsatz ergeben, statt symbolischer Gesten, die nicht mit dem täglichen Betrieb zusammenhängen.

  • 01Wähle wenige Ziele — zwei bis drei reichen oft, um einen echten Unterschied zu machen
  • 02Wähle Ziele, die natürlich mit eurer Branche und eurer Arbeit zusammenhängen
  • 03Konkretisiere das Ziel zu etwas, das sich messen und nachverfolgen lässt
  • 04Vermeide es, die Nachhaltigkeitsziele als reines Marketing ohne Handeln dahinter zu benutzen

Beispiele aus der Praxis

Ein Transportunternehmen kann seine Arbeit über Kraftstoffeinsparungen und Routenoptimierung ganz natürlich mit Zielen zu nachhaltiger Industrie, Innovation und Infrastruktur sowie zum Klimaschutz verknüpfen. Ein Bauunternehmen kann über Materialwahl und Abfallbewirtschaftung an Ziele zu nachhaltigen Städten und verantwortungsvollem Konsum und verantwortungsvoller Produktion anknüpfen. Der Punkt ist nicht, alle Ziele abzudecken, sondern die Stelle zu finden, an der das eigene Fach tatsächlich etwas bewegt.

Vom Plakat in den Alltag

Für den einzelnen Mitarbeiter werden die Nachhaltigkeitsziele erst dann sinnvoll, wenn sie an etwas Konkretes im Alltag geknüpft werden: eine Abfalltrennung, die das Ziel des verantwortungsvollen Konsums stützt, eine Energieeinsparung, die das Klimaziel stützt, oder eine Sicherheitsmaßnahme, die das Ziel von Gesundheit und Wohlbefinden stützt. Die Nachhaltigkeitsziele sind mit anderen Worten kein Plakat, das man anschaut — sie sind ein Rahmen, in dem man die eigene tägliche Arbeit spiegeln kann, wenn man die Verbindung kennt.

Das Unternehmen, das wenige, relevante Ziele wählt und sie ernsthaft verfolgt, erreicht mehr echte Nachhaltigkeit als das, das versucht, alle 17 auf einmal zu signalisieren, ohne in der Praxis etwas zu ändern.

Die Nachhaltigkeitsziele und die Kompetenzen des Einzelnen

Die Kenntnis der UN-Nachhaltigkeitsziele wird auch für die einzelnen Mitarbeiter zu einer immer stärker nachgefragten Kompetenz — nicht, weil man alle 17 aufsagen können muss, sondern weil man den Zusammenhang zwischen der eigenen Arbeit und einer größeren Agenda erkennen können muss, die Kunden, Partner und Behörden zunehmend ernst genommen sehen wollen. In Worte fassen zu können, wie der eigene tägliche Einsatz zum Beispiel zum Klimaziel oder zum Ziel für verantwortungsvollen Konsum beiträgt, ist sowohl im Gespräch mit einem Kunden als auch im internen Dialog darüber, wo das Unternehmen als Nächstes ansetzen soll, ein Vorteil.