Stromunfälle und Ertrinkungsunfälle — wenn der Körper Strom oder Wärme verliert
Sicherheit vor Hilfe bei Stromunfällen, und warum du bei Unterkühlung niemals aufgeben sollst
Einleitung
Stromunfälle und Ertrinkungsunfälle gehören zu den schwersten Situationen, denen ein Ersthelfer begegnen kann — und ihnen ist gemeinsam, dass deine eigene Sicherheit und ein ruhiges, systematisches Vorgehen ebenso wichtig sind wie die Versorgung des Verunglückten selbst.
Deine eigene Sicherheit ist der erste Schritt bei einem Stromunfall
Bei einem Stromunfall ist es lebensgefährlich, die Person zu berühren, solange der Strom noch anliegt — der Strom kann durch dich weiterlaufen. Das Erste, was du tun musst, ist daher, den Strom abzuschalten, z. B. am Schalter oder indem du den Stecker ziehst. Lässt sich der Strom nicht abschalten, musst du die Stromquelle mit einem nicht leitenden Gegenstand von der Person wegbewegen, z. B. mit einem trockenen Holzgegenstand — berühre die Person niemals direkt, bevor du sicher bist, dass der Strom weg ist.
Nachdem der Strom abgeschaltet ist
- 01Ruf 1-1-2 an und sag, dass es ein Stromunfall ist
- 02Prüfe Bewusstsein und Atmung wie bei jedem anderen Unfall
- 03Bewusstlos mit normaler Atmung: stabile Seitenlage
- 04Bewusstlos ohne normale Atmung: mit der Herz-Lungen-Wiederbelebung beginnen
- 05Kühle eventuelle Verbrennungen mit Wasser
- 06Die Person muss immer von einem Arzt untersucht werden — Strom kann Herzrhythmusstörungen auslösen, selbst wenn die Person unbeeinträchtigt wirkt
Ertrinkungsunfälle — Beatmungen so schnell wie möglich
Bei einem Ertrinkungsunfall ist es entscheidend, der Person so schnell wie möglich Sauerstoff zuzuführen, denn gerade der Sauerstoffmangel ist der auslösende Faktor. Kannst du sicher herankommen, wird empfohlen, die ersten Beatmungen bereits zu geben, während die Person noch im Wasser ist, und mit der Herzdruckmassage zu beginnen, sobald die Person auf festem Boden ist. Sorge immer für deine eigene Sicherheit im und am Wasser — eine ertrinkende Person kann in Panik einen Retter mit sich ziehen, und du darfst niemals hinausschwimmen, wenn du an deiner eigenen Sicherheit zweifelst.
Hypothermie — der Körper verliert Wärme
Eine Hypothermie (Unterkühlung) entsteht, wenn die Körpertemperatur unter etwa 35 Grad fällt. Das kann bei einem langen Aufenthalt in kaltem Wasser passieren, aber auch an Land bei Kälte, Wind und nasser Umgebung. Zu den Anzeichen gehören unter anderem Kältegefühl, Zittern, undeutliche Sprache, Teilnahmslosigkeit und mit der Zeit schwere Verwirrtheit.
- 01Bring die Person aus dem Wind und weg von der Kälte und der Nässe
- 02Entferne nasse Kleidung und wickle die Person in trockene Decken oder Jacken
- 03Gib gerne warme Getränke oder energiereiche Nahrung, wenn die Person wach ist und schlucken kann
- 04Vermeide unnötige und plötzliche Bewegungen der Person
- 05Gib niemals Alkohol — er verschlimmert die Unterkühlung
Die Hoffnung lebt länger in kaltem Wasser
Ein wichtiger und ermutigender Punkt bei Ertrinkungsunfällen in kaltem Wasser ist, dass eine starke Unterkühlung das Überleben tatsächlich verlängern kann. Wird das Gehirn kalt, verträgt es längere Zeit ohne Sauerstoff und Blutversorgung als normal, und es gibt Beispiele von Personen, die nach sehr langer Zeit mit Herzstillstand ohne Hirnschaden wiederbelebt wurden, weil sie zugleich stark unterkühlt waren. Deshalb gibt man bei einem Ertrinkungsunfall in kaltem Wasser nicht auf, auch wenn viel Zeit vergangen ist — setze die Wiederbelebung fort und überlass den Rest der Hilfe im Krankenhaus.
“Bei Kaltwasserunfällen gilt eine Grundregel aus der Rettungswelt: Niemand ist tot, bevor er warm und tot ist.”
— Rettungsfachliche Grundregel