Versand: Frachtbrief, CMR und Incoterms
Die Papiere, die die Ware begleiten — und die Klauseln, die entscheiden, wer zahlt und das Risiko trägt
Einleitung
Der Versand ist die letzte Berührung des Lagers mit der Ware — und die Stelle, an der Fehler am teuersten werden, denn von hier an ist die Ware außerhalb deiner Reichweite. Guter Versand besteht aus drei Dingen: Die Ware ist korrekt verpackt und gekennzeichnet, die Papiere stimmen mit dem Inhalt überein, und die Verantwortung ist klar zugeordnet. Die ersten beiden sind Handwerk; das dritte ist Recht, dem Lagerleute über Frachtbriefe und Lieferklauseln begegnen.
Lieferschein und Frachtbrief — zwei verschiedene Papiere
Der Lieferschein ist das Dokument des Handelsgeschäfts: Er sagt dem Empfänger, was die Sendung enthält — Artikelnummern, Stückzahl und Auftragsreferenz —, damit die Wareneingangskontrolle die Lieferung mit der Bestellung abgleichen kann. Der Frachtbrief ist das Dokument des Transports: eine Vereinbarung und Quittung zwischen Absender und Frachtführer, die das Gut beschreibt (Anzahl der Packstücke, Gewicht, Kennzeichnung), dazu Abhol- und Lieferadresse sowie etwaige Weisungen. Die Unterschrift des Fahrers bei der Abholung quittiert, dass das Gut in dem angegebenen Zustand und in der angegebenen Menge übernommen wurde — deshalb muss die Anzahl der Packstücke auf dem Frachtbrief immer mit dem übereinstimmen, was tatsächlich geladen wird.
CMR: der internationale Straßenfrachtbrief
Beim internationalen Straßentransport gilt das CMR-Übereinkommen, das in Dänemark durch die CMR-loven umgesetzt ist. Es schreibt einen CMR-Frachtbrief vor, der in drei Originalausfertigungen ausgestellt wird: eine für den Absender, eine, die die Ware zum Empfänger begleitet, und eine für den Frachtführer. Die CMR-Regeln legen auch die Haftung des Frachtführers für Verlust und Beschädigung sowie die Fristen für die Reklamation fest. Für das Lager bedeutet das vor allem eines: Quittiere beschädigte Ware niemals ohne Vorbehalt. Sieht der Empfänger bei der Lieferung sichtbare Schäden, muss sofort ein schriftlicher Vorbehalt auf dem Frachtbrief vermerkt werden — sonst wird die Möglichkeit auf Entschädigung deutlich geschwächt.
Incoterms 2020: wer macht was, wer zahlt, wer trägt das Risiko
Die Incoterms sind die Standardklauseln der Internationalen Handelskammer (ICC) für Lieferbedingungen — die geltende Fassung, Incoterms 2020, umfasst 11 Klauseln. Jede Klausel verteilt drei Dinge zwischen Verkäufer und Käufer: die Aufgaben (wer bucht und bezahlt den Transport), die Kosten und den Gefahrübergang. Für den Lagermitarbeiter entscheidet die Klausel ganz konkret darüber, ob eure Rampe die Ware nur bereitstellen muss oder ob euer Unternehmen die Verantwortung auch bis zum Tor des Kunden trägt.
| Klausel | Kurz gesagt | Die Rolle des Lagers |
|---|---|---|
| EXW (Ex Works) | Der Käufer holt und trägt praktisch alles ab der Adresse des Verkäufers | Stelle die Ware bereit — der Frachtführer des Käufers lädt und fährt |
| FCA (Free Carrier) | Der Verkäufer übergibt am vereinbarten Ort an den Frachtführer des Käufers | Verlade die Ware auf den Transport des Käufers und lass dir eine Quittung geben |
| DAP (Delivered At Place) | Der Verkäufer liefert bis zum Bestimmungsort; der Käufer erledigt den Einfuhrzoll | Transport durch den Verkäufer auf dem ganzen Weg — buche die Fracht und verfolge sie |
| DDP (Delivered Duty Paid) | Der Verkäufer liefert verzollt — maximale Verkäuferverantwortung | Wie DAP, zusätzlich mit Zoll und Abgaben im Griff |
Für den Seetransport gibt es außerdem die klassischen Klauseln FAS, FOB, CFR und CIF, die nur verwendet werden sollten, wenn die Ware tatsächlich als konventionelle Seefracht fährt. Für das Lager kommt es nicht darauf an, alle 11 auswendig zu können, sondern zu wissen, dass die Klausel auf dem Auftrag bestimmt, wer den Transport bucht und wann die Gefahr übergeht — und damit auch, wie gründlich Versandzeitpunkt und Zustand dokumentiert werden müssen.
Kennzeichnung und die letzten Prüfungen
Bevor das Tor geschlossen wird: jedes Versandstück muss ein deutliches Transportetikett mit Empfänger tragen, und Paletten für größere Empfänger sollten ein GS1-Palettenetikett mit SSCC haben, damit der Wareneingang scannen statt zählen kann. Gefahrgut braucht darüber hinaus den richtigen Gefahrzettel, die UN-Nummer und ein Beförderungspapier nach den ADR-Regeln. Nimm den letzten Blick wie ein Pilot vor dem Start: stimmt die Kollianzahl mit dem Frachtbrief, ist die Ladung stabil gezurrt oder gewickelt, und sind Datum und Unterschrift vorhanden? Drei Minuten hier ersparen dir drei Wochen Reklamationsvorgang.
- 01Lieferschein = Inhalt des Handelsgeschäfts; Frachtbrief = Vereinbarung und Quittung des Transports
- 02CMR-Frachtbrief in drei Originalen bei internationalem Straßentransport
- 03Sichtbar beschädigte Güter NIEMALS ohne Vorbehalt quittieren — nimm einen schriftlichen Vorbehalt auf
- 04Die Incoterms-2020-Klausel bestimmt Aufgaben, Kosten und Gefahrübergang
- 05SSCC-Palettenetikett und korrekte Gefahrgutkennzeichnung, bevor das Tor schließt
“Das Gut kann perfekt verpackt sein — aber wenn das Papier falsch ist, ist es die Lieferung auch.”
— Die erste Lebensregel des Spediteurs