Audiometrie und Hörprüfungen — so misst du das Gehör
Tonaudiometrie, dB HL und die Klassifikation des Hörverlusts der WHO
Einleitung
Als Audiologieassistent ist der Hörtest dein wichtigstes Werkzeug. Die Tonaudiometrie ist die am häufigsten verwendete Methode, um das Gehör eines Menschen quantitativ zu messen, und das Ergebnis wird in ein Audiogramm eingetragen, das die Hörschwelle bei verschiedenen Frequenzen zeigt, vgl. Lægehåndbogen auf sundhed.dk.
Luftleitung und Knochenleitung
Bei der Tonaudiometrie spielst du reine Töne in verschiedenen Frequenzen (typischerweise von etwa 125 Hz bis 8000 Hz) über Kopfhörer (Luftleitung) ab und ermittelst den leisesten Ton, den die Patientin oder der Patient bei jeder Frequenz gerade noch hören kann — die Hörschwelle. Indem du die Messung mit einem Knochenvibrator hinter dem Ohr (Knochenleitung) wiederholst, der den Schall unter Umgehung des Mittelohrs direkt an das Innenohr sendet, könnt ihr — du und die Ärztin bzw. der Arzt — sehen, ob ein Hörverlust vom Mittelohr (Schallleitungsschwerhörigkeit) oder vom Innenohr bzw. Hörnerv (sensorineurale Schwerhörigkeit) herrührt.
dB HL und die Klassifikation des Hörverlusts durch die WHO
Die Hörschwelle wird in Dezibel Hearing Level (dB HL) gemessen, wobei 0 dB HL die durchschnittliche normale Hörschwelle eines jungen, gesunden Ohrs bei der betreffenden Frequenz ist — kein Maß für die physikalische Stärke des Schalls an sich. Normales Hören wird in der WHO-Klassifikation von 2021 als Schwelle unter 20 dB HL definiert. Die Klassifikation geht vom Mittelwert der Schwellen bei 0,5, 1, 2 und 4 kHz (PTA4) am besser hörenden Ohr aus und teilt den Hörverlust in Grade mit Sprüngen von 15 dB ein.
| Grad (WHO 2021) | Durchschnittliche Hörschwelle (PTA4) |
|---|---|
| Grad 0 — normales Hörvermögen | unter 20 dB HL |
| Grad 1 — leichter Hörverlust | 20–34 dB HL |
| Grad 2 — mittelgradiger Hörverlust | 35–49 dB HL |
| Grad 3 — mittel- bis hochgradiger Hörverlust | 50–64 dB HL |
| Grad 4 — hochgradiger Hörverlust | 65–79 dB HL |
| Grad 5 — sehr hochgradiger Hörverlust | 80–94 dB HL |
| Grad 6 — Taubheit | 95 dB HL und darüber |
Andere zentrale Untersuchungen
- 01Sprachaudiometrie: Der Patient wiederholt Wörter bei unterschiedlicher Lautstärke, sodass sich das Sprachverstehen beurteilen lässt — nicht nur das Tonhören.
- 02Tympanometrie: misst den Druck im Mittelohr und die Beweglichkeit des Trommelfells und kann Flüssigkeit im Mittelohr oder ein perforiertes Trommelfell aufdecken.
- 03Otoskopie: visuelle Inspektion von Gehörgang und Trommelfell mit einem Otoskop, bevor die eigentliche Hörprüfung durchgeführt wird.
Anforderungen an die Testumgebung
Die Tonaudiometrie erfordert einen schallisolierten Raum oder eine Schallkabine, weil selbst schwache Hintergrundgeräusche die leisen Töne verdecken können, auf die der Patient reagieren soll. Du weist den Patienten an, eine Taste zu drücken oder eine Hand zu heben, sobald ein Ton gehört wird — auch wenn er sehr leise ist — und du achtest darauf, dass der Patient versteht und den Test gleichmäßig durchführen kann.
“Ein Audiogramm ist nicht bloß eine Kurve — es ist das Hörerleben des Patienten, messbar gemacht.”