Nähte und Nähtechniken: ein Katalog der Griffe des Fachs
Von der einfachen Geradnaht bis zum Finish, das Wäsche für Wäsche hält
Einleitung
Die Naht ist die Stelle, an der zwei Stoffstücke zu einem Kleidungsstück werden, und die Wahl der Nahtart ist alles andere als zufällig. Die richtige Naht hängt von den Eigenschaften des Stoffes ab, davon, wo am Kleidungsstück sie sitzt, und davon, wie viel Belastung sie aushalten muss. Ein erfahrener Bekleidungshandwerker wählt eine Naht so, wie ein Zimmerer eine Verbindung wählt — nach Funktion, nicht nach Gewohnheit.
Die gerade Naht — der Grundstein
Die gewöhnliche gerade Naht ist die meistgenutzte Naht des Fachs: Zwei Stofflagen werden rechts auf rechts gelegt und mit einer geraden Stichlinie zusammengenäht. Sie geht schnell, ist für die meisten festen Stoffe stark genug und bildet die Grundlage für die meisten anderen Nahtarten, die lediglich eine zusätzliche Bearbeitung der Nahtzugabe oder der Kanten hinzufügen.
Französische Naht — die versteckte, saubere Kante
Bei einer französischen Naht wird der Stoff zuerst links auf links genäht, die Nahtzugabe wird zurückgeschnitten, und die Teile werden gewendet und erneut rechts auf rechts genäht, sodass die offene Schnittkante vollständig in der Naht eingeschlossen wird. Das Ergebnis ist eine Naht ohne sichtbare, offene Kanten auf beiden Seiten des Stoffes — gut geeignet für dünne und durchsichtige Stoffe, bei denen eine gewöhnlich versäuberte Kante das Aussehen beeinträchtigen würde.
Overlocknaht — die Naht, die im selben Griff versäubert
Die Overlockmaschine (Lockmaschine) näht und versäubert den Stoff gleichzeitig mit Kettenstichen, die die Kante umschließen, sodass sie nicht ausfranst. Sie ist schnell, stark und besonders für dehnbare Stoffe wie Jersey geeignet, weil sich die Stiche mit dem Stoff dehnen können, ohne zu reißen — etwas, das eine gewöhnliche Geradnaht nur schwer schafft.
Kappnaht und Flachnaht
Eine Kappnaht (Flachnaht) legt zwei Stofflagen mit einer Überlappung übereinander, die mit zwei parallelen Stichreihen festgenäht wird — wie man es oft an Jeans und Arbeitskleidung sieht. Sie ist sehr fest und flach zu tragen, weil keine Nahtzugabe absteht, und wird deshalb an Stellen mit großer Belastung oder engem Körperkontakt verwendet.
| Nahtart | Merkmale | Typische Verwendung |
|---|---|---|
| Gerade Naht | Einfach, schnell, rechts auf rechts | Die meisten Feststoffe |
| Französische Naht | Doppelt genäht, verdeckt die Schnittkante | Dünne, durchsichtige Stoffe |
| Overlocknaht | Näht und versäubert gleichzeitig | Dehnbare Stoffe wie Jersey |
| Kappnaht/Flachnaht | Flach, sehr stark | Jeans, Arbeitskleidung, hohe Beanspruchung |
| Blindsaum | Von der Sichtseite aus unsichtbar | Nähen von Kanten und Beinabschlüssen |
Blindsaum und Finish
Zum Säumen von Unterkanten, bei denen die Naht möglichst nicht von der rechten Seite zu sehen sein soll, wird ein Blindstich verwendet — entweder von Hand genäht oder auf einer Spezialmaschine, die nur einen kleinen Stich in die äußerste Stofflage setzt. Zusammen mit einem sauberen Kantenabschluss, dem Bügeln und dem Entfernen loser Fäden sind das die letzten Handgriffe, die darüber entscheiden, ob ein Kleidungsstück selbst genäht oder professionell wirkt.
“Die Naht sieht man vielleicht nicht immer — aber man spürt sie jedes Mal, wenn das Kleidungsstück getragen wird.”