Textilkennzeichnung, Fasernamen und Pflegesymbole
Was das Gesetz auf dem Etikett verlangt — und was die Symbole bedeuten
Einleitung
Das kleine Etikett im Nacken oder an der Seite eines Kleidungsstücks wirkt unbedeutend, ist aber tatsächlich gesetzlich geregelt. Verbraucher müssen sehen können, woraus ein Kleidungsstück gemacht ist und wie es behandelt werden soll — und als Bekleidungshandwerker gehört es zum Beruf, die Regeln zu kennen, ob man nun Einzelstücke näht oder in der Produktion arbeitet.
Faserbezeichnungen: EU-Verordnung 1007/2011
Die Verordnung (EU) Nr. 1007/2011 des Europäischen Parlaments und des Rates über die Bezeichnungen von Textilfasern und die damit zusammenhängende Etikettierung legt fest, wie der Fasergehalt eines Textilerzeugnisses anzugeben ist. Nur die offiziellen Faserbezeichnungen, die die Verordnung auflistet — zum Beispiel Baumwolle, Wolle oder Polyester —, dürfen verwendet werden, und die Faserzusammensetzung ist in Gewichtsprozent anzugeben, damit der Verbraucher genau weiß, was er kauft.
Pflegesymbole: ein internationaler Code
Die Faserbezeichnung selbst sagt nichts darüber, wie man das Kleidungsstück pflegt — das tun die Pflegesymbole. Die internationale Norm EN ISO 3758 legt ein System grafischer Symbole für die Pflegekennzeichnung fest, das die stärkste Behandlung zeigt, die das Kleidungsstück ohne dauerhaften Schaden aushält. Die Symbole werden international von der Organisation Ginetex verwaltet und verbreitet, und dieselben Symbole finden sich deshalb auf Textiletiketten aus der ganzen Welt wieder.
| Symbol | Bedeutet |
|---|---|
| Wanne mit Wasser | Waschen — eine Zahl oder ein Strich gibt die stärkste zulässige Behandlung an |
| Dreieck | Bleichen — das Kreuz darüber bedeutet, dass nicht mit Chlor gebleicht werden darf |
| Bügeleisen | Bügeln — Punkte im Symbol geben die höchste zulässige Temperatur an |
| Kreis | Chemischreinigung — der Buchstabe im Kreis gibt das Reinigungsverfahren an |
| Quadrat mit Kreis darin | Trocknen im Tumbler — Punkte geben die Temperaturstufe an, ein Kreuz darüber bedeutet verboten |
Warum es nicht bloß ein 'guter Rat' ist
Faserbezeichnungen sind nach der EU-Verordnung gesetzlich vorgeschrieben, während die Pflegesymbole selbst (EN ISO 3758) grundsätzlich ein freiwilliger Standard sind — in der Praxis erwarten aber Händler, Ketten und Verbraucher, dass sie vorhanden sind, und viele Länder und Kettenvereinbarungen verlangen sie. Eine falsche oder fehlende Kennzeichnung kann deshalb beim Faseranteil ein rechtliches Problem und beim Pflegeteil ein Vertrauensproblem gegenüber dem Kunden sein, wenn ein Kleidungsstück einläuft oder zerstört wird, weil es falsch gewaschen wurde.
Die Verantwortung des Handwerkers
Nähst du Einzelstücke für einen Kunden, nähst du selten ein offizielles Etikett ein — kennst du aber die Regeln, kannst du richtig dazu beraten, wie ein Material zu behandeln ist. Arbeitest du in der Produktion, ist die korrekte Kennzeichnung ein fester Teil der Dokumentation, die das Produkt begleitet, von der Materialwahl bis zur Verkaufsbereitschaft.
“Das Etikett ist klein, aber es ist in der Praxis ein Vertrag zwischen dem Hersteller und dem, der das Kleidungsstück später waschen soll.”