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Artikel·Hufschmied·Krankheiten

Hufrehe: die Rolle des Hufschmieds bei Laminitis

Akuter Notfall, chronischer Begleiter — und immer eine Zusammenarbeit mit der Tierärztin oder dem Tierarzt

Einleitung

Im Huf hängt das Hufbein des Pferdes über eine feinmaschige Aufhängung aus Blättchen an der Hufwand — diese Aufhängung trägt das Gewicht des Pferdes. Bei Hufrehe (Laminitis) entsteht eine Entzündung in den Blättchen, und die Verbindung wird schwächer. Im schlimmsten Fall dreht sich die Spitze des Hufbeins nach unten zur Sohle, oder das gesamte Hufbein sinkt in der Hufkapsel ab. Das ist extrem schmerzhaft und kann das Pferd dauerhaft arbeitsunfähig machen. Für den Hufschmied ist die Hufrehe deshalb sowohl ein akuter Alarm als auch eine chronische Aufgabe, die ein Pferd den Rest seines Lebens begleiten kann.

Warum entsteht das?

Hufrehe hat mehrere bekannte Auslöser. Fütterungsbedingte Fälle sind häufig: plötzlicher Zugang zu großen Mengen leicht verdaulicher Kohlenhydrate — Kraftfutter oder zuckerreiches Frühjahrsgras — kann die Darmflora stören und den Schub auslösen. Stoffwechselerkrankungen und Übergewicht erhöhen das Risiko deutlich, und schwere Erkrankungen wie Nachgeburtsverhalten bei Stuten können ebenfalls eine Hufrehe auslösen. Schließlich gibt es die Belastungsrehe, bei der ein Bein überlastet wird, typischerweise weil das gegenüberliegende Bein verletzt ist. Der Hufschmied ist oft die Fachperson, die das Pferd am häufigsten sieht, und kann deshalb eine Schlüsselrolle dabei spielen, Risikofaktoren zu erkennen und den Besitzer rechtzeitig zu warnen.

Die klassischen Anzeichen

  • 01Die charakteristische Entlastungsstellung: Das Pferd verlagert das Gewicht nach hinten und streckt die Vorderbeine nach vorn — Hufrehe trifft am häufigsten die Vorderhufe.
  • 02Unwilligkeit zu gehen, steifer, unbeholfener Gang — besonders bei Wendungen und auf hartem Untergrund.
  • 03Warme Hufe und stark verstärkte Pulsation am Fesselgelenk.
  • 04Schmerz beim Abtasten mit der Untersuchungszange im Zehenbereich der Sohle.
  • 05Bei chronischen Verläufen: veränderte Hufform mit Ringen in der Hufwand, gedehnte weiße Linie und flache oder gewölbte Sohle.

Der Werkzeugkasten des Hufschmieds

Die Lernziele im Fach Krankheiten und Verletzungen besagen, dass der Auszubildende in Zusammenarbeit mit dem Tierarzt die Akutbehandlung und den Beschlag bei Laminitis sowie die Nachbehandlung und den Beschlag bei Pferden mit chronischer Laminitis ausführen können muss. In der Praxis geht es darum, die Gewichtsbelastung weg von der schmerzhaften und geschwächten Zehenregion nach hinten zu Strahl und Trachten zu verlagern. Die Praktikumsziele nennen die konkreten Beschläge: Eggbar-Eisen, Heartbar-Eisen und eigentliche Hufrehe-Beschläge gehören zu dem Repertoire, das der Auszubildende von Hand schmieden und anpassen können muss. Das Heartbar-Eisen hat eine herzförmige Platte, die den Strahl unterstützt; Hufrehe-Beschläge erleichtern das Abrollen an der Zehe, sodass das Pferd abrollen kann, ohne im geschwächten Hufbeinträger zu verdrehen.

Das Röntgenbild als Landkarte

Bei chronischer Hufrehe arbeitet der Hufschmied ohne Bildgebung blind. Röntgenbilder zeigen, wie weit das Hufbein rotiert oder abgesunken ist und wie dick die Sohle unter der Hufbeinspitze ist — und damit, wo überhaupt beschnitten werden kann und wie der Beschlag zu platzieren ist. Die Lernziele erfordern Kenntnisse bildgebender Werkzeuge wie Röntgen, Ultraschall, MRT und CT sowie ein Verständnis für den Strahlenschutz bei der Röntgenaufnahme. Der ideale Ablauf ist, dass Tierarzt und Hufschmied gemeinsam beim Pferd stehen: Der Tierarzt macht die Bilder und legt den Behandlungsplan fest, der Hufschmied setzt ihn in Beschnitt und Beschlag um.

Der lange, chronische Verlauf

Ein Pferd, das einmal Hufrehe hatte, hat für den Rest des Lebens ein erhöhtes Risiko. Die Hufwand wächst nach einem Schub schief — typischerweise in den Trachten schneller als in der Zehe — und muss laufend mit kürzeren Bearbeitungsintervallen als üblich korrigiert werden. Der Hufschmied wird hier zum festen Behandler des Pferdes: Er verfolgt die Hufform von Mal zu Mal, dokumentiert die Entwicklung mit Fotos im Hufprotokoll und meldet dem Tierarzt zurück, wenn etwas entgleist. Zugleich ist die Beratung des Besitzers entscheidend: Fütterung, Weidemanagement und Gewichtskontrolle sind die Vorbeugung, die darüber entscheidet, ob sich der Schub wiederholt.

PhaseDie Aufgabe des HufschmiedsZusammenarbeit
Akuter AnfallEntlastung der Zehe, Unterstützung von Strahl/Sohle, ggf. Abnahme des BeschlagsDer Tierarzt leitet die Behandlung
StabilisierungErste korrektive Hufbearbeitung und orthopädischer Beschlag nach dem RöntgenGemeinsamer Plan auf Grundlage von Bildern
Chronische PhaseKurze Intervalle, korrigierender Beschnitt, Heartbar-/SpezialbeschlagLaufende Rückmeldung an den Tierarzt
VorbeugungBeratung zu Fütterung, Weide und Gewicht — Beobachtung bei jedem BesuchBesitzer, Tierarzt und Hufschmied

Hufrehe ist das deutlichste Beispiel dafür, warum die Hufschmiedeausbildung sowohl Schmiedehandwerk als auch Anatomie und Krankheitslehre umfasst. Wer ein Heartbar-Eisen schmieden kann, aber die Mechanik hinter der Rotation nicht versteht, fertigt ein schönes Eisen an der falschen Stelle. Wer die Krankheit versteht und das Eisen beherrscht, kann den Unterschied ausmachen zwischen einem Pferd, das wieder in Arbeit kommt, und einem Pferd, das eingeschläfert werden muss.