Zum Inhalt springen

Nähmaschinentechnik: Nähte, Stiche und Materialwahl

So wählst du Nadel, Faden und Nähahle, damit die Naht sowohl auf Stoff als auch auf Leder hält

Einleitung

Eine Polsterung kann in allen ihren Schichten perfekt aufgebaut sein — halten die Nähte aber nicht, fällt das Ergebnis auseinander. Das Nähen ist deshalb nicht bloß ein Finish, sondern eine Konstruktion für sich, die Zug, Spannung und jahrelangen täglichen Gebrauch aushalten muss. Seine Nahtarten, seine Faden- und Nadelwahl und die klassischen Fehler zu kennen, ist deshalb genauso wichtig, wie die Schichten der Polsterung zu kennen.

Die wichtigsten Nagelarten

Verschiedene Aufgaben verlangen verschiedene Nähte. Eine Doppelnaht (zwei parallele Stichreihen) wird dort eingesetzt, wo die Naht zusätzlichen Zug aushalten muss, zum Beispiel an stark belasteten Kanten und Ecken. Eine Kappnaht — auch französische Naht genannt — verbirgt die rohe Kante in der Naht selbst und wird dort verwendet, wo die Kante sowohl stark als auch ansehnlich sein soll, unter anderem in der Lederverarbeitung. Eine blinde Naht wird dort eingesetzt, wo sichtbare Stiche unerwünscht sind, zum Beispiel bei Abschlüssen und Kantenbändern. Eine Overlocknaht säubert die Stoffkante und sichert sie gegen Ausfransen, bevor sie mit dem Rest vernäht wird.

  • 01Doppelnaht — zusätzliche Festigkeit für Ecken und belastete Kanten
  • 02Umschlagnaht/französische Naht — verbirgt die Rohkante, fest und sauber, typischerweise für Leder
  • 03Blindsaum — unsichtbare Stiche an den Abschlüssen
  • 04Overlocknaht — versäubert und sichert die Kante gegen Ausfransen

Faden nach Material

Die Fadenwahl muss zum Material passen. Polyesterfaden ist fest, elastisch und UV-beständig und ist die Standardwahl für die allermeisten Möbel- und Bezugsstoffe. Für Leder und Kunstleder, die starkem Zug und Verschleiß ausgesetzt sind — wie Autositze —, wird oft ein kräftigerer Corespun-Faden verwendet, der sowohl Festigkeit als auch eine gewisse Elastizität besitzt, damit die Naht nicht bricht, wenn das Material arbeitet. Baumwollfaden wird in der modernen Polsterei seltener verwendet, weil er gegenüber Verschleiß und Feuchtigkeit schwächer ist als synthetische Fäden.

Nadel und Stich nach Material

Die Nadel muss zu dem Material passen, durch das sie hindurch soll. Eine gewöhnliche Spitznadel wird für gewebte Stoffe verwendet, während eine Leder- oder Keilnadel mit scharfer, keilförmiger Spitze sich durch Leder und Kunstleder schneidet, ohne die Fasern aufzureißen. Die Stichlänge wird nach der Dicke des Materials eingestellt — zu kurze Stiche können dickes Leder perforieren und schwächen, während zu lange Stiche bei dünnerem Stoff eine lose und schwache Naht ergeben. Die Fadenspannung muss so eingestellt werden, dass die Naht weder wellt noch das Material zusammenzieht.

MaterialNadeltypTypische Drahtwahl
MöbelstoffSpitze UniversalnadelPolyesterfaden
LederKeilnadel (schneidende Spitze)Kräftiges Core-Spun-Garn
KunstlederKeilnadel oder UniversalnadelPolyester- oder Corespunfaden

Häufige Fehler — und wie du sie behebst

Gute Nähtechnik lernst du nicht aus einer Anleitung allein — sie erfordert Übung an Reststücken, bevor du die Maschine an den fertigen Bezug lässt. Nimm dir Zeit, Stichart, Faden und Nadel an einem Rest des aktuellen Materials zu testen, bevor du richtig nähst. Es ist billiger, einen Probelappen wegzuwerfen als einen ganzen Bezug.

Eine Naht sieht man nicht, wenn sie richtig genäht ist — aber man merkt es sofort, wenn sie es nicht ist.