Fassadenbehandlung: Kalk, Silikat und witterungsbeständige Farbe
So wählst du die richtige Außenbeschichtung für Mauerwerk und Putz
Einleitung
Malerarbeiten im Außenbereich stellen andere Anforderungen als Arbeiten im Innenbereich. Eine Fassade muss Jahr für Jahr Regen, Frost, Sonne und UV-Licht aushalten, und die Wahl des Produkts entscheidet, ob die Oberfläche hält und richtig atmet. Als Maler und Lackierer musst du die wichtigsten Fassadenprodukte kennen und verstehen, wann das eine besser ist als das andere.
Kalk und Kalkfarbe — die älteste Wahl
Das Kalken ist eine der ältesten Formen der Fassadenbehandlung und wird noch immer eingesetzt, vor allem an älteren und denkmalgeschützten Gebäuden. Kalkfarbe basiert auf gelöschtem Kalk (Calciumhydroxid), der CO2 aus der Luft aufnimmt und durch Karbonatisierung aushärtet, sodass er zum selben Material wird, aus dem viele alte Mauern ohnehin bestehen. Das ergibt eine sehr diffusionsoffene Oberfläche, die Feuchtigkeit aus der Mauer wandern lässt; zugleich ist Kalkfarbe während des Aushärtens empfindlicher gegenüber Witterung und hat generell eine kürzere Haltbarkeit als moderne Produkte.
Silikatfarbe — chemisch mit dem Untergrund verbunden
Silikatfarbe basiert auf Kaliumsilikat (Wasserglas) und reagiert chemisch mit mineralischen Untergründen wie Putz, Beton und Ziegel in einem Prozess, der Verkieselung genannt wird. Das Ergebnis ist eine Oberfläche, die Teil des Untergrunds wird, statt nur als Film obenauf zu liegen. Silikatfarbe ist sehr diffusionsoffen und hat generell eine gute Haltbarkeit, erfordert aber einen rein mineralischen Untergrund, um richtig binden zu können — auf organischen oder bereits mit Dispersionsfarbe gestrichenen Oberflächen funktioniert sie nicht gut.
Silikon- und Acrylprodukte
Silikonharzfarbe arbeitet nach einem Prinzip, das oft 'Regenmantel-Prinzip' genannt wird: Die Oberfläche weist Schlagregen ab, ist aber noch offen genug, dass Feuchtigkeitsdämpfe von innen entweichen können. Acrylfarbe ist die verbreitetste und typischerweise günstigste Wahl, ist zugleich aber die diffusionsdichteste der vier Haupttypen — etwas, das zum Problem werden kann, wenn der Untergrund ohnehin Feuchtigkeitsprobleme hat oder wenn über die Jahre mehrere Acrylschichten übereinander aufgebaut werden.
| Typ | Wirkungsweise | Diffusionsoffenheit |
|---|---|---|
| Kalkfarbe | Karbonatisiert, wird eins mit dem Untergrund | Sehr hoch |
| Silikatfarbe | Verkieselt chemisch mit mineralischem Untergrund | Hoch |
| Silikonharzfarbe | Wasserabweisende Oberfläche, Dampf kann entweichen | Mittel bis hoch |
| Acrylfarbe | Filmbildende Beschichtung auf Kunststoffbasis | Niedriger |
Normen und Dokumentation
Außenbeschichtungen für Mauerwerk und Beton fallen unter die europäische Norm DS/EN 1062-1, die Produkte unter anderem nach Diffusionsoffenheit und Wasseraufnahme klassifiziert. Putz und Filzputz auf Basis organischer Bindemittel sind entsprechend von DS/EN 15824 abgedeckt. Als Fachperson musst du die Normen nicht auswendig können, aber du musst wissen, dass es sie gibt und dass ein Produktdatenblatt, das auf sie verweist, dir eine objektive Grundlage zum Vergleich von Produkten gibt — statt nur auf das Marketing des Herstellers zu vertrauen.
Das Wetter bestimmt, wann du streichen kannst
Fassadenarbeit ist wetterabhängiger als Arbeiten im Innenbereich. Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Windstärke und die Gefahr von Regen oder Nachtfrost entscheiden, ob eine Behandlung korrekt aushärten kann. Viele Fassadenprodukte haben eine Mindesttemperatur für den Auftrag und einen Zeitraum nach dem Auftrag, in dem sie keinem Regen ausgesetzt werden dürfen. Fassadenarbeit nach der Wettervorhersage zu planen, ist deshalb ein fester Teil der Aufgabe — keine Bequemlichkeit.
- 01Prüfe das Datenblatt des Produkts auf Mindest- und Höchsttemperatur beim Auftragen
- 02Vermeide das Auftragen bei direkter starker Sonne auf heißen Oberflächen
- 03Plane einen Puffer für unerwarteten Regen in der Aushärtezeit ein
- 04Achte bei Spritzarbeiten in der Höhe auf die Windverhältnisse