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Treppen: Geometrie, Normen und Typen im Bautischlerhandwerk

Steigung, Auftritt und Schrittmaßregel — so baut man eine sichere und bequeme Treppe

Einleitung

Eine Treppe muss mehrere Rücksichten gleichzeitig ausbalancieren: sie muss sicher zu begehen und im Alltag bequem zu benutzen sein, und oft muss sie auf einer begrenzten Fläche untergebracht werden. Das macht den Treppenbau zu einer der mathematisch anspruchsvollsten Aufgaben im Bautischlerhandwerk, bei der Millimetergenauigkeit und ein Gespür für Geometrie Hand in Hand gehen.

Die Grundbegriffe der Treppe

  • 01Steigung — die senkrechte Höhe von der Oberkante einer Stufe zur nächsten
  • 02Auftritt — die waagerechte Fläche der Stufe, auf die man tritt
  • 03Steigungsverhältnis — das Verhältnis zwischen Steigung und Auftritt, das bestimmt, wie steil die Treppe empfunden wird
  • 04Wange — die schräge tragende Seitenkonstruktion, in der die Stufen befestigt werden
  • 05Podest — ein waagerechter Ruhepunkt, an dem die Treppe die Richtung wechselt oder eine Verschnaufpause bietet

Die Schrittmaßregel

Eine bekannte Faustregel für ein bequemes Schrittmaß lautet, dass 2 × Steigung + Auftritt bei etwa 610–630 mm liegen sollte. Die Regel geht von der natürlichen Schrittlänge eines durchschnittlichen Menschen aus und wird genutzt, um das richtige Verhältnis zwischen Steigung und Auftritt festzulegen, wenn eine Treppe geplant wird.

Anforderungen der Bauverordnung (BR18)

Über die Bequemlichkeit hinaus muss eine Treppe auch sicher sein. Die Anforderungen der Bauverordnung an Zugangsverhältnisse legen konkrete Maße für Treppen in gemeinsamen Zugangswegen fest, die unter anderem sicherstellen sollen, dass ältere Menschen, Kinder und Personen mit eingeschränkter Mobilität sich sicher bewegen können.

AnforderungWert (gemeinsame Zugangswege)
Maximale Steigung0,18 m
Minimaler Auftritt (gerade Treppe, viertel- und halbgewendelte Treppe)0,28 m (0,25 m in Wohnungen)
Minimale lichte Breite1,0 m
Minimale lichte Höhe (über der Stufenvorderkante und in der Lauflinie)2,10 m

Treppentypen

  • 01Gerade Treppe — ein gerader Verlauf ohne Richtungswechsel, einfach und platzraubend
  • 02Viertelgewendelte Treppe — dreht 90° über ein Podest oder keilförmige Stufen
  • 03Halbgewendelte Treppe — dreht 180°, oft über ein oder mehrere Podeste
  • 04Spindeltreppe — windet sich um eine zentrale Säule, platzsparend, aber weniger bequem
  • 05Raumtreppe — so konstruiert, dass Stufen und Wangen ein sichtbarer Teil der Architektur des Raumes sind

Ausführung und Qualität

Eine gute Treppe erkennt man an den Details: Stufen, die in die Wange eingestemmt oder eingefalzt sind statt bloß genagelt oder geschraubt, verteilen die Last besser und ergeben eine knarrfreie Treppe, die viele Jahre hält. Die Materialwahl — typischerweise Eiche, Buche oder Kiefer — richtet sich nach Festigkeit, Verschleißfestigkeit und der gewünschten Wirkung, und die Treppe wird vor der endgültigen Befestigung immer auf Waage, Lot und richtige Maße geprüft.