Lieferung an Broadcast und Streaming — Loudness, Formate und Spezifikationen
Ein schöner Haarschnitt ist nicht automatisch ein bestandener Haarschnitt
Einleitung
Ein Programm kann perfekt geschnitten, farbkorrigiert und gemischt sein — und trotzdem bei der Auslieferung abgelehnt werden, weil es die technischen Spezifikationen des Senders nicht einhält. Sowohl DR als auch TV2 Danmark veröffentlichen detaillierte technische Standards dafür, wie ein Programm geliefert werden muss, und die Regeln betreffen den Ton mindestens ebenso sehr wie das Bild.
Warum Loudness in LUFS gemessen wird und nicht einfach in Dezibel
Der europäische Branchenverband EBU (European Broadcasting Union) veröffentlichte seinerzeit die Empfehlung R128, um ein konkretes Problem zu lösen: Zuschauer, die ständig lauter und leiser stellen mussten, weil die eine Sendung oder der eine Werbespot deutlich lauter klang als die nächste. Die Lösung bestand darin, die wahrgenommene Lautheit der Sendung über die Zeit zu messen — Loudness in LUFS — statt nur den höchsten Ausschlag auf einem gewöhnlichen Dezibelmesser im Auge zu behalten. DR schreibt denn auch, dass Sendungen grundsätzlich nach EBU R128 gemischt werden sollen und dass der ältere nordische PPM6-Pegel nur nach vorheriger Absprache akzeptiert wird.
Konkrete Zahlen, nach denen TV2 arbeitet
| Parameter | Anforderung (TV2) |
|---|---|
| Program Loudness | 0 LU, entsprechend -23 LUFS, gemessen über das gesamte Programm |
| Toleranz, gewöhnliches Programm | ± 1 LU |
| Toleranz, Kurzformat (Werbespots/Trailer) | ± 0,5 LU |
| Max. True Peak | -3 dBTP, gemessen mit 4x Oversampling |
Warum Loudness-Anforderungen keine Geschmackssache sind
Es mag wie ein unnötiges Detail wirken, die Lautstärke so genau zu messen, aber dahinter steht eine sehr konkrete Zuschauererfahrung: Ohne gemeinsamen Standard konkurriert jede Sendung und jede Werbung darum, am lautesten zu klingen, weil ein höherer Pegel als durchschlagskräftiger wahrgenommen wird. Das Ergebnis ist ein endloser 'Lautheitskrieg', in dem der Zuschauer am Ende leiser drehen muss, um Unbehagen zu vermeiden, und in dem die dynamischsten, leisen Passagen einer Sendung untergehen. EBU R128 ist die gemeinsame Lösung der Branche für dieses Problem, und deshalb ist es keine technische Feinheit, sondern eine Voraussetzung dafür, dass eine Sendung überhaupt angenommen wird.
Bild, Codec und Auflösung
Über den Ton hinaus stellen die Sender Anforderungen an Bildformat, Auflösung, Bildfrequenz und daran, in welchem Dateiformat (Codec) das fertige Programm abgeliefert werden soll. Das Rohmaterial aus der Kamera ist selten das, was geliefert wird — stattdessen wird ein sogenanntes Mezzanine-Format exportiert, das schnittfreundlich und von hoher Qualität ist, aber ohne die enorme Dateigröße des Rohmaterials. Das Spezifikationsdokument des Senders zu kennen, bevor der Schnitt beginnt, erspart eine teure und verzögernde Umkodierung in letzter Minute.
- 01Prüfe das technische Spezifikationsdokument des Kanals, bevor der Export eingerichtet wird
- 02Prüfe das Programm vor der Auslieferung am Loudness-Messgerät, nicht nur nach Gehör
- 03Vermeide den direkten Export aus dem rohen Kamera-Codec — verwende das Format, das der Kanal verlangt
- 04Plane im Zeitplan Zeit für eine technische Abnahmerunde vor dem endgültigen Abgabetermin ein
Die Lieferung ist eine Spezifikation, nicht nur eine letzte Kontrolle
Der erfahrene Techniker behandelt die Auslieferung nicht als Formsache, die man nebenbei erledigt. Loudness-Anforderungen, Farbraum, Auflösung und Dateiformat sind genauso verbindlich wie der Rest des technischen Handwerks, und es gibt sie, weil der Zuschauer ein einheitliches Erlebnis haben soll, ganz gleich, welche Sendung läuft. Die Spezifikationen zu kennen, bevor der Schnitt fertig ist, ist der Unterschied zwischen einer Produktion, die pünktlich geliefert wird, und einer, die zur Korrektur zurückgeschickt wird.
Streaming-Dienste haben ihre eigenen Spezifikationen
Über die klassischen Sender hinaus stellen auch Streamingdienste ihre eigenen, oft noch detaillierteren Lieferanforderungen — an Bildauflösung, Bildfrequenz, Dateistruktur, Untertitelformat und Metadaten. Die EBU hat mit einem Zusatz zu R128 die Lautheit im Streaming ausdrücklich behandelt, weil die Hörsituation und die Wiedergabegeräte oft anders sind als beim traditionellen Fernsehen. Arbeitet man über mehrere Kanäle und Plattformen hinweg, reicht es deshalb nicht, eine einzige Spezifikation auswendig zu kennen — jede Liefervereinbarung muss einzeln geprüft werden, bevor der endgültige Export gestartet wird.