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Artikel·Friseur·Fachwissen

Haar- und Kopfhautdiagnose als Methode

Die systematische Beurteilung vor jeder Behandlung

Einleitung

Eine Diagnose ist kein schneller Blick in den Spiegel, sondern eine systematische Beurteilung, die du jedes Mal auf dieselbe Weise durchführst. Sie ist deine fachliche Absicherung: Wenn du den tatsächlichen Zustand von Haar und Kopfhaut erfasst hast, kannst du die richtige Behandlung wählen, Produkt und Einwirkzeit korrekt dosieren und das Ergebnis vorhersagen – statt Probleme unterwegs zu entdecken, wo es zu spät ist, sie zu korrigieren.

Die fünf Parameter, die du immer beurteilst

Eine vollständige Diagnose deckt fünf Punkte ab. Überspringe keinen – oft ist es der übersprungene, der für die Überraschung sorgt.

ParameterWas du beurteilstWarum es wichtig ist
Haartyp und StrukturGlatt, wellig, lockig, kraus; dick/dünn; DichteSteuert Auszug, Produktmenge und erwartete Fallrichtung
ZustandGesund, trocken, spröde, chemisch belastet, gebrochenEntscheide, ob das Haar eine chemische Behandlung verträgt und welche Pflege es braucht
PorositätWie schnell das Haar Flüssigkeit aufnimmt und wieder abgibtBestimmt Farbaufnahme, Einwirkzeit und das Risiko eines fleckigen Ergebnisses
ElastizitätDehnt sich eine nasse Haarsträhne und springt zurück, ohne zu brechen?Geringe Elastizität = geschwächtes Haar; Warnung vor Dauerwelle/Blondierung
Zustand der KopfhautTrocken, fettig, gereizt, schuppend, wundStellt eine Gegenanzeige für die Behandlung dar und kann eine Überweisung an einen Arzt erfordern

So prüfst du Porosität und Elastizität in der Praxis

Die Porosität kannst du erfühlen, indem du mit zwei Fingern an einer trockenen Strähne zur Kopfhaut hin entlangfährst: rau und ungleichmäßig fühlt sich hochporös an, glatt fühlt sich niedrigporös an. Die Elastizität beurteilst du am nassen Haar, indem du eine einzelne Strähne vorsichtig dehnst – gesundes Haar dehnt sich und federt zurück, während geschwächtes Haar schlaff nachgibt oder bricht. Beides dauert Sekunden und verrät, was das Auge nicht sieht.

Schriftliche Einwilligung und Vorgeschichte

Zur Diagnose gehört auch das, was der Kunde erzählt: frühere Farbe, Blondierung, Henna, Dauerwelle sowie Allergien und Hautreaktionen. Henna und bestimmte Heimfarben können unvorhersehbar mit professionellen Produkten reagieren – frage immer nach. Notiere die Vorgeschichte in der Kundenkartei, damit sie den Kunden zum nächsten Besuch begleitet.

Von der Diagnose zur Entscheidung

Wenn die fünf Parameter erfasst sind, übersetzt du sie in einen Plan: welche Behandlung, welches Produkt, welche Einwirkzeit – und ob überhaupt heute behandelt werden soll. Ein stark belastetes, wenig elastisches Haar kann bedeuten, dass die richtige Antwort ist, die Blondierung zu verschieben und das Haar zuerst aufzubauen. Ein fachlich begründetes Nein sagen zu können, ist ebenfalls Teil der Diagnose.

Die Diagnose ist der Punkt, an dem der Friseur sein Handwerk verdient: wer vor der Behandlung richtig einschätzt, muss danach selten korrigieren.