Die Geschichte des HTX: von der technischen Schule zum technischen Abitur
Wie das technische Gymnasium aus den technischen Schulen erwuchs und zu einem modernen Abitur wurde
Einleitung
Das technische Gymnasium, HTX, ist eine der jüngsten gymnasialen Bildungsgänge in Dänemark. Aber die Idee dahinter — Technik und Naturwissenschaft mit einer schulischen Bildung zu verbinden — ist älter als der Bildungsgang selbst. Um zu verstehen, woher HTX kommt, muss man zurück zu den technischen Schulen, die entstanden, als Dänemark sich vom Agrarland zur Industriegesellschaft wandelte.
Die Wurzeln der technischen Schulen
Als die Industrialisierung in Dänemark ab Mitte des 19. Jahrhunderts Fahrt aufnahm, wuchs der Bedarf an Handwerkern und Technikern, die ihr Fach nicht nur praktisch beherrschten, sondern auch rechnen, zeichnen und die neuen Maschinen verstehen konnten. Handwerkervereine und Zunftmeister gründeten in den Städten technische Schulen, an denen Lehrlinge am Abend und am Sonntag Unterricht in Zeichnen, Rechnen und Fachtheorie erhielten — sodass sie tagsüber weiterhin ihrer Arbeit in der Werkstatt nachgehen konnten.
Die älteste technische Schule des Landes, das Det tekniske Institut in Kopenhagen (später Københavns Tekniske Skole), wurde 1843 von einem Kreis von Zunftmeistern gegründet. In den folgenden Jahrzehnten eröffneten Handwerkervereine ähnliche Schulen in allen größeren Städten. Hier schlug die dänische Tradition, praktisches Handwerk mit technisch-naturwissenschaftlichem Wissen zu verbinden, richtig Wurzeln — eine Tradition, auf der HTX später aufbauen sollte.
Die Nachkriegszeit und die Jagd nach technischen Händen
Nach dem Zweiten Weltkrieg wuchsen die Industrie und der Wohlfahrtsstaat schnell, und mit ihnen der Bedarf an Arbeitskräften mit technischer und naturwissenschaftlicher Ausbildung. Die alten Gymnasialformen — das allgemeine Gymnasium — waren buchorientiert, und die Berufsausbildungen führten selten weiter zu den Hochschulen. Es fehlte eine Brücke zwischen dem Praktisch-Technischen und der weiterführenden Ausbildung.
In den 1970er Jahren kamen die erhvervsfaglige grunduddannelser (efg, berufsfachliche Grundausbildungen) hinzu, als Versuch, die Berufsausbildungen zu modernisieren und zu verbreitern. Im Anschluss an diese Denkweise nahm die Idee eines technischen Abiturs Gestalt an: eine Ausbildung, die den technisch interessierten Jugendlichen Zugang zu den weiterführenden technischen und naturwissenschaftlichen Studiengängen geben konnte.
Der Versuch von 1982 und der Weg zu einem richtigen Abitur
Die höhere technische Prüfung (højere teknisk eksamen) wurde 1982 vom dänischen Unterrichtsministerium als Versuch eingerichtet. Hintergrund war die steigende Nachfrage nach technisch und naturwissenschaftlich ausgebildeten Arbeitskräften. Anfangs war die Ausbildung zweijährig und schloss direkt an die efg-Basisausbildung an — also als Aufbau gedacht, der den weiteren Zugang im technischen Zweig eröffnete.
Der Versuch fiel gut aus, und 1988 wurde die Ausbildung dauerhaft eingerichtet. Zugleich erhielt sie die allgemeine Studienbefähigung, sodass sie nicht mehr nur technische Türen öffnete, sondern gleichrangig mit dem allgemeinen Gymnasium einen breiteren Zugang zu weiterführenden Bildungswegen gab. Ein entscheidender Schritt folgte 1994, als die Ausbildung auf drei Jahre verlängert wurde — die Länge, die wir heute kennen.
Zeitleiste: die Entwicklung des HTX
| Zeitraum | Was ist geschehen |
|---|---|
| 1843 und danach | Die ersten technischen Schulen werden von Zünften und Handwerkervereinen gegründet; technischer Abend- und Sonntagsunterricht für Lehrlinge |
| Mitte des 19. Jahrhunderts | Die Industrialisierung schafft Bedarf an technisch geschulten Handwerkern und Technikern |
| Die 1970er Jahre | Die berufsfachlichen Grundausbildungen (efg) modernisieren die Berufsausbildungen |
| 1982 | Højere teknisk eksamen wird als zweijähriger Versuch im Anschluss an die efg-Basis eingeführt |
| 1988 | Die Ausbildung wird dauerhaft eingerichtet und erhält zusätzlich die allgemeine Studierfähigkeit |
| 1994 | Die Ausbildung wird dreijährig |
| 2016 | Der Name wird zu teknisk studentereksamen (technisches Abitur) geändert; die Abkürzung htx bleibt erhalten |
Vom höheren technischen Abschluss zum technischen Abitur
2016 änderte die Ausbildung formell ihren Namen von højere teknisk eksamen zu teknisk studentereksamen (technisches Abitur). Die bekannte Abkürzung htx blieb jedoch erhalten. Der Namenswechsel war mehr als Kosmetik: Er markierte, dass HTX nun ein vollwertiges gymnasiales Abitur war — gleichgestellt mit STX, HHX und HF — mit einem technischen und naturwissenschaftlichen Profil als Kennzeichen.
Wie das HTX heute aussieht
Heute ist HTX ein eigenständiges, dreijähriges Gymnasium mit Schwerpunkt auf Technik, Technologie und Naturwissenschaft. Wo der Lehrling einst nach einem Arbeitstag mit Zeichenbrett und Rechenbuch in einer Abendschule saß, arbeitet der HTX-Schüler heute in modernen Laboren, programmiert, baut Prototypen und arbeitet projektorientiert. Die Werkzeuge haben ihren Charakter gewechselt — von Reißnadel und Logarithmentafel zu Messgeräten, Computern und digitalen Konstruktionsprogrammen — aber die grundlegende Idee ist dieselbe wie an den alten technischen Schulen: die technische Praxis mit dem theoretischen Verständnis zu verbinden.
“HTX wuchs aus dem alten Traum der technischen Schulen: dass, wer mit Technik arbeitet, auch die Theorie dahinter verstehen soll — und den Weg zum Weiterstudieren offen haben soll.”