Fahrerassistenz und Kalibrierung nach der Karosseriereparatur
Warum ein Scheiben- oder Stoßfängerschaden erfordern kann, dass die Sensoren des Fahrzeugs neu eingestellt werden
Einleitung
Moderne Autos sind voller Fahrerassistenzsysteme — auf Englisch ADAS, Advanced Driver Assistance Systems. Sie halten das Auto in der Spur, warnen vor Fahrzeugen im toten Winkel, bremsen automatisch vor Hindernissen und halten Abstand im Verkehr. Für den Karosserietechniker bedeutet das, dass eine Reparatur nicht mehr endet, wenn das Blech gerichtet und lackiert ist: Die Augen des Autos müssen auch wieder richtig sehen.
Die Sensoren sitzen dort, wo du arbeitest
Die ADAS-Systeme sehen die Welt durch Kameras und Radar- oder Lidarsensoren. Die Frontkamera sitzt typischerweise hinter der Windschutzscheibe, das Radar hinter der Stoßstange oder dem Emblem, und die Sensoren für den toten Winkel sitzen oft in den hinteren Ecken oder in den Außenspiegeln. Genau diese Stellen sind bei einem Frontschaden, einem Scheibenwechsel oder einem Stoßstangentausch betroffen — deshalb hängen ADAS und Karosseriearbeit untrennbar zusammen.
Warum Kalibrierung notwendig ist
Ein Sensor, der hinter der alten Scheibe saß, blickt in einem präzisen Winkel hinaus. Wechselst du die Scheibe, montierst eine neue Stoßstange oder richtest einen Frontschaden, kann die Blickrichtung der Kamera oder des Radars um einen kleinen Winkel verändert sein — genug, damit das System Abstand und Position falsch einschätzt. Ein Notbremssystem, das ein wenig falsch zeigt, ist schlimmer als keines, weil es falsche Sicherheit vermittelt. Deshalb müssen die Sensoren wieder auf die Spezifikation des Herstellers kalibriert werden.
Zwei Arten der Kalibrierung
- 01Statische Kalibrierung — wird in der Werkstatt durchgeführt, mit Zieltafeln, die in genauen Abständen und Winkeln vor dem Fahrzeug nach der Aufstellvorgabe des Herstellers positioniert werden.
- 02Dynamische Kalibrierung — erfolgt, indem das Auto nach einem vorgeschriebenen Muster gefahren wird, während sich das System selbst gegen die Umgebung kalibriert.
- 03Viele Autos erfordern eine Kombination, und welche Methode gilt, hängt von Marke, Modell und System ab.
Die Reparatur ist erst fertig, wenn die Sensoren richtig sehen
Prüfe immer die Reparaturanleitung des Herstellers daraufhin, welche Eingriffe eine Kalibrierung erforderlich machen. Als Faustregel: Rührst du an der Scheibe, dem Stoßfänger, den Spiegeln, der Radstellung oder den Blechteilen, in oder hinter denen die Sensoren sitzen, dann muss der Kalibrierbedarf beurteilt werden. Ein Auto mit korrekt gerichteter Front, aber unkalibriertem Frontradar ist keine fertige Reparatur.
Dokumentiere die Kalibrierung
Bewahre den Bericht der Kalibrierung zusammen mit der übrigen Dokumentation der Reparatur auf. Er zeigt, dass die Sicherheitssysteme des Fahrzeugs wieder auf Spezifikation gebracht wurden, und er schützt sowohl den Kunden als auch die Werkstatt und dich selbst. ADAS hat den Karosserietechniker zu einem Teil der elektronischen Sicherheit des Fahrzeugs gemacht — und diese Rolle verlangt sowohl Präzision als auch Dokumentation.