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Metalldrücken: ein Blech in eine Form drehen

Metalldrücken über einen Dorn mit Drückstange und Reitstock

Einleitung

Das Metalldrücken ist der maschinelle Verwandte des Treibens. Statt das Metall in Form zu hämmern, lässt man ein rundes Blech mit hoher Drehzahl auf einer Drehbank rotieren und presst es mit einem handgeführten Drückwerkzeug langsam über eine Form — einen Dorn. Das Ergebnis ist ein rundes, nahtloses Werkstück, geformt in Minuten statt in Stunden. Metalldrücker ist gerade deshalb eine eigenständige Fachrichtung der Metalsmed-Ausbildung, weil die Technik ihre eigene Erfahrung und ihr eigenes Werkzeug verlangt.

So läuft es ab

Eine zugeschnittene runde Platte wird zwischen dem Drückfutter und einem Gegenhalter (Andrückscheibe) im Reitstock eingespannt, sodass Platte und Futter zusammen rotieren. Mit einem Drückstab oder einer Rolle an einem langen Hebel legt der Drücker das Metall schrittweise über die Form des Futters und arbeitet dabei in mehreren Durchgängen von außen nach innen. Das Metall fließt über die Form, wird radial länger und nimmt zum Schluss genau die Form des Futters an. Ein Schmiermittel wie Seife oder Wachs verringert die Reibung und schützt die Oberfläche.

Werkzeug und Aufstellung

  • 01Dorn (Form): gedreht aus Hartholz, Kunststoff oder Stahl — bestimmt die Form des Werkstücks
  • 02Pinole mit Druckscheibe: klemmt die Platte gegen den Dorn
  • 03Drückstab/Drücklöffel und Rollen: pressen das Metall über den Dorn
  • 04Anlagestift (Stützpunkt): gibt dem Hebel Gegenhalt
  • 05Schmiermittel: Seife, Wachs oder Spezialpaste gegen Reibung und Wärme

Materialien und Werkstücke

Die Metalle, die sich am besten drücken lassen, sind die zähen, formbaren: Aluminium, Kupfer, Messing und weicher oder rostfreier Stahl. Für härtere Werkstoffe wie rostfreien Stahl werden kräftigere Maschinen und oft Drückwerkzeuge aus massivem Messing eingesetzt. Typische Produkte sind Schalen, Töpfe, Lampenschirme, Trichter, Gasflaschen, Kuppeldeckel und — klassisch — die Schallbecher von Blechblasinstrumenten. Weil das Werkstück nahtlos ist, hält es hohem Innen- oder Außendruck stand, was für Druckbehälter und Flaschen genutzt wird.

Hand- und CNC-Drücken

Das traditionelle Handdrücken wird ganz von der Erfahrung und der Kraft des Drückers über den Hebel gesteuert. In der modernen Produktion wird derselbe Prozess auf CNC-gesteuerten Drückbänken ausgeführt, bei denen das Rollwerkzeug auf programmierten Bahnen geführt wird — schneller und gleichmäßiger, aber nach demselben Grundprinzip. Verwandte Varianten sind das Projizierdrücken und Fließdrücken (shear forming/flow forming), bei denen die Wanddicke bewusst reduziert wird, während das Metall über den Drückfutter fließt.

Vorteile des Metalldrückens

  • 01Niedrige Werkzeugkosten im Vergleich zu Tiefziehen und Stanzen
  • 02Nahtlose Werkstücke, die Druck aushalten
  • 03Geringer Materialverlust
  • 04Eignet sich für Einzelstücke, Prototypen und Serien

Drücken ist Treiben in Rotation versetzt — dasselbe Bändigen des Metalls, nur vom Dorn geführt.