Einleitung
Eine Kupferschale beginnt als flache, runde Platte. Es gibt keinen Verschnitt, keine Schweißnaht und keine Fuge — die ganze Form entsteht dadurch, dass der Schmied das Metall mit dem Hammer bewegt. Das ist das Treiben, die älteste Technik des Berufs, und sie verlangt Geduld und ein genaues Handgefühl. Wo der Dreher Material abträgt und der Gießer es in eine Form gießt, bewahrt der Treiber jedes einzelne Gramm und zwingt es Schlag für Schlag in Form.
Treiben: strecken und zusammenführen
Beim Treiben wird das Blech über einer Form oder frei in der Luft gegen einen Stahl- oder Holzstock gehämmert, sodass das Material allmählich in eine Hohlform gezogen wird. Man arbeitet in Ringen von außen nach innen oder von innen nach außen, mit dichten, überlappenden Schlägen. Das Metall streckt sich und wird dort dünner, wo es am meisten bearbeitet wird, und es ist die Aufgabe des Schmieds, die Schläge so zu verteilen, dass die Materialstärke gleichmäßig bleibt. Unterwegs verfestigt sich das Metall durch Kaltverformung, und das Werkstück muss wiederholt ausgeglüht werden, bevor es reißt.
Sperrhaken, Ambosse und Hämmer
Das Werkzeug ist genauso wichtig wie die Hand. Die Form geben Sticks (gerundete Stahlköpfe auf einem Schaft, der in den Schraubstock gespannt wird), kuppelförmige Ambosse und Holzformen, während verschiedene Hämmer verschiedene Spuren hinterlassen. Ein Treibhammer hat einen abgerundeten Kopf zum Strecken, ein Planierhammer einen flachen, polierten Kopf zum abschließenden Glätten. Die Oberfläche des Hammers prägt sich direkt ins Metall ein, ein verkratzter Hammer ergibt also ein verkratztes Werkstück — die Hämmer werden blank poliert gehalten.
| Werkzeug | Funktion |
|---|---|
| Treibhammer (runde Finne) | Streckt und hohlformt das Metall |
| Planierhammer (flach, poliert) | Glättet und egalisiert zum Schluss die Oberfläche |
| Stapel / T-Stapel | Gegenhalter, der dem Werkstück seine Form gibt |
| Sandsack und Holzhammer | Weiches Vorformen ohne Hammerspuren |
| Rundstock / Kugelamboss | Für tiefe, runde Formen |
Planieren — das blanke Finish
Wenn die Form da ist, wird das Werkstück planiert: Es wird leicht und systematisch mit einem polierten Planierhammer gegen einen polierten Stock geschlagen, sodass sich die vielen kleinen Facetten zu einem gleichmäßigen, glitzernden Muster legen. Das Planieren macht das Werkstück sowohl schöner als auch steifer, weil die letzten, leichten Schläge die Oberfläche ein wenig kaltverfestigen. Ein gut planiertes getriebenes Werkstück erkennt man am charakteristischen Hammermuster, das das Licht einfängt — ein Beweis, dass es handgemacht und nicht maschinell gepresst ist.
Typische angetriebene Werkstücke
- 01Schalen, Schüsseln und Gefäße aus Kupfer und Messing
- 02Kannen und Teekannen mit getriebenem Ausguss und Henkel
- 03Kirchliches Inventar: Taufschalen, Leuchter, Altargeräte
- 04Reparatur und Rekonstruktion älterer getriebener Gegenstände
- 05Skulpturale und kunsthandwerkliche Unikate
Die häufigsten Fehler
- 01Zu seltenes Glühen → Risse am Rand oder am Boden
- 02Ungleichmäßige Schlagverteilung → schiefe Form und schwankende Wandstärke
- 03Zerkratzter Hammer oder zerkratztes Sperrhorn → Spuren, die sich nicht wegpolieren lassen
- 04Zu harte Schläge → örtliche Ausdünnung und Durchschlagen
“Ein getriebenes Werkstück ist die Summe von tausend gleichen Schlägen — nicht von einem starken.”