3D-Scannen und 3D-Druck – die Digitalisierung des Orthopädietechnik-Handwerks
Vom Gipsabguss zum digitalen Modell: So verändert die Technik den Arbeitsablauf in der Werkstatt
Einleitung
Viele Jahre lang war der Gipsabdruck die Standardmethode, wenn ein Orthopädietechniker vor der Herstellung eines Hilfsmittels Maß an einem Körper nehmen musste. Heute wird diese Methode durch das 3D-Scannen ergänzt und vielerorts ersetzt, das ein schnelles und bearbeitbares digitales Modell des Körperteils liefert und damit große Teile des Arbeitsablaufs in der Werkstatt verändert.
Vom Gips zum Scanner
Während ein Gipsabdruck verlangt, dass der Nutzer still hält, während der Gips aushärtet, und ein physisches Positiv hinterlässt, das aufbewahrt werden muss, dauert ein 3D-Scan typischerweise nur etwa eine Minute. Das Ergebnis ist ein digitales 3D-Modell, das gespeichert, weitergeschickt und in CAD-Software bearbeitet werden kann, ohne dass der Nutzer jedes Mal erneut erscheinen muss, wenn an der Form etwas angepasst werden soll.
Der 3D-Druck zieht in die Werkstatt ein
Der 3D-Druck ist inzwischen ein fester Bestandteil der Produktion vieler orthopädischer Betriebe. Das dänische Unternehmen Bandagist Jan Nielsen hat gegenüber Dansk AM Hub berichtet, dass es rund 35 3D-Drucker hat und heute etwa 70 Prozent seiner Prothesen druckt, von Beinprothesen bis zu Korsetten, die zur Korrektur der Wirbelsäule eingesetzt werden. Das ist ein Beispiel dafür, wie groß der Anteil der Produktion ist, der sich von der Handformung auf die digitale Fertigung verlagern lässt.
- 01Prothesenschäfte lassen sich digital konstruieren und direkt drucken
- 02Korsette zur Skoliosebehandlung lassen sich anhand eines Scans anpassen und ausdrucken
- 03Schalen für Einlagen und Orthesen können nach einem digitalen Modell gefräst oder gedruckt werden
- 04Finish, Polsterung und Montage mechanischer Teile erfordern weiterhin Handarbeit
| Schritt | Traditionell (Gips) | Digital (Scan/Druck) |
|---|---|---|
| Abdruck | Handgefertigter Gipsabguss mit Trocknungszeit | 3D-Scan in etwa einer Minute |
| Justierung | Ein neuer Abguss ist oft nötig | Das Modell wird digital bearbeitet |
| Herstellung | Handformen über einem physischen Positiv | CNC-Fräsen oder 3D-Druck |
| Archivierung | Physische Aufbewahrung von Positiven | Digitale Datei, leicht neu herzustellen |
Das Handwerk verschwindet nicht
Die Digitalisierung verändert das Werkzeug, aber sie beseitigt nicht den Bedarf an fachlichem Urteilsvermögen. Es erfordert nach wie vor ein tiefes Verständnis von Anatomie und Biomechanik, um zu beurteilen, ob ein Scan zutreffend ist, und ihn in ein Modell zu übersetzen, das an einem lebenden Körper tatsächlich funktioniert. Der Orthopädietechniker nutzt die neue Technologie deshalb als ein Hilfsmittel, das Zeit für das freimacht, was weiterhin Handwerk erfordert: die letzte Anpassung, die Ausarbeitung und die Kontrolle, wenn der Nutzer das Hilfsmittel anprobiert.
“Der Scanner nimmt das Maß in einer Minute – aber es braucht immer noch einen gelernten Orthopädietechniker, um daraus etwas zu machen, das funktioniert.”
— Der Sinn der Digitalisierung