Orthopädisches Schuhwerk und Einlagen – das Handwerk hinter jeder Sohle
Von der Fußanalyse zum fertigen Schuh: So wird ein individuell gefertigtes Hilfsmittel Wirklichkeit
Einleitung
Füße tragen das gesamte Körpergewicht, Tag für Tag, und wenn Form, Belastung oder Gefühl im Fuß nicht mehr so sind wie gewohnt, macht sich das sofort bemerkbar. Orthopädische Schuhe und Einlagen gehören zu den häufigsten Hilfsmitteln, die ein Orthopädietechniker anfertigt, und die Aufgabe reicht von einer einfachen Einlage in einem gewöhnlichen Schuh bis zu einem vollständig individuell gefertigten Paar Schuhe für einen schwer deformierten Fuß. Beidem gemeinsam ist, dass die Lösung auf einem gründlichen Verständnis genau des Fußes beruhen muss, zu dem sie passen soll.
Von der Fußanalyse zum Maß
Die Arbeit beginnt immer mit einer Fußanalyse. Der Orthopädietechniker untersucht die Form des Fußes, betrachtet das Belastungsmuster, wenn der Nutzer steht und geht, und notiert eventuelle Fehlstellungen, Hornhaut, Narben oder Druckstellen. Oft werden ein Drucktest oder ein Podoskop verwendet, die zeigen, wie sich das Gewicht unter dem Fuß verteilt, und die Stellen mit ungewöhnlich hohem Druck aufdecken können. Zusammen mit einer Ganganalyse ergibt das ein Bild davon, was der Fuß braucht, noch bevor überhaupt Maß genommen oder ein Abdruck gemacht wird.
Einlage oder Schuhwerk – was entscheidet die Wahl?
Ein zentrales Prinzip der Regeln über Hilfsmittel ist, dass orthopädisches Schuhwerk normalerweise nicht bewilligt wird, wenn sich der Bedarf stattdessen mit einer Einlage in normalem Schuhwerk decken lässt. Das geht aus der Leitlinie zum dänischen Sozialgesetz hervor, wonach Schuheinlagen nur bewilligt werden, wenn die Fußdeformität den Nutzer sonst auf orthopädisches Schuhwerk verweisen würde. Der Orthopädietechniker muss daher immer beurteilen, ob die weniger eingreifende Lösung ausreicht, bevor ein komplettes Paar individuell gefertigter Schuhe in Auftrag gegeben wird.
| Material | Eigenschaft | Typische Verwendung |
|---|---|---|
| EVA-Schaum | Leicht und stoßdämpfend | Flexible Einlagen |
| Polyurethanschaum | Haltbar und formstabil | Einlage mit stärkerer Stützung |
| Thermoplast/Polypropylen | Lässt sich warm umformen und wird beim Abkühlen steif | Schalen, Leisten und Unterstützung |
| Leder | Atmungsaktiv und formbar | Oberleder bei individuell gefertigtem Schuhwerk |
Druckentlastung – eine Sicherheitsfrage, nicht nur Komfort
Für viele Nutzer geht es bei einer Einlage in erster Linie um Komfort. Bei Nutzern mit eingeschränktem Empfindungsvermögen, zum Beispiel infolge von Diabetes, ist die Druckentlastung jedoch eine Sicherheitsfrage. Ist die Empfindung geschwächt, spürt der Nutzer vielleicht nicht, dass eine Stelle im Schuh reibt oder drückt, und ein kleines Druckgeschwür kann sich lange entwickeln, bevor es entdeckt wird. Hier trägt die Arbeit des Orthopädietechnikers, den Druck richtig zu verteilen und scharfe Übergänge im Material zu beseitigen, dazu bei, schweren Komplikationen vorzubeugen.
- 01Fußanalyse: Form, Belastung und eventuelle Risikopunkte werden erfasst
- 02Maße, Abdruck oder 3D-Scan des Fußes werden genommen
- 03Leisten, der nach den Maßen geformt oder gefräst werden muss
- 04Die Einlage oder das Schuhwerk wird angepasst und am Nutzer anprobiert
- 05Es wird nachgefasst, und die Lösung wird bei Bedarf angepasst
Vorschriften zu Austausch und Bewilligung
Die Bewilligung von orthopädischem Schuhwerk und Einlagen erfolgt über die Kommune nach den Regeln des serviceloven (dänisches Sozialgesetz) über persönliche Hilfsmittel. Voraussetzung ist, dass der Nutzer eine dauerhaft eingeschränkte Funktionsfähigkeit hat und ein konkreter Bedarf an Kompensation besteht. Laut der Anleitung zum serviceloven kann orthopädisches Schuhwerk in der Regel alle 18 Monate zum Austausch genehmigt werden, doch die konkrete Beurteilung hängt immer vom Bedarf und vom Verschleiß des Nutzers ab. Deshalb ist es wichtig, dass der Orthopädietechniker die Arbeit dokumentiert, damit sowohl Nutzer als auch Kommune den Verlauf nachvollziehen können.
“Eine gute Einlage merkt man im Alltag nicht – aber sie verhindert Schäden, deren Herannahen der Nutzer selbst nicht gespürt hätte.”
— Fachliche Grundregel