Gründächer und Umkehrdächer: die Abdichtung unter der lebenden Schicht
Aufbau, Wurzelschutz und warum die Dichtheit nachgewiesen sein muss, bevor das Dach zugedeckt wird
Einleitung
Von Sedumdächern auf Fahrradschuppen bis zu ganzen Dachgärten auf Bürogebäuden: Gründächer sind vom Kuriosum zu einem festen Bestandteil des dänischen Bauens geworden, unter anderem weil die Kommunen sie aktiv in der Klimaanpassung einsetzen — ein Gründach hält einen großen Teil des Regenwassers zurück und entlastet die Kanalisation bei Starkregen. Für die Dachdeckerin bedeutet das eine wachsende Auftragsart, bei der die Abdichtungsarbeit wichtiger ist als je zuvor: Das Dach muss nachweislich dicht sein, BEVOR es unter Erde und Pflanzen verschwindet.
Die Schichten eines Gründachs
Ein Gründach ist eine Schichttorte, in der jede Schicht ihre Funktion hat. Von unten nach oben besteht der Aufbau typischerweise aus der tragenden Konstruktion, der wasserdichten Abdichtung, einem Wurzelschutz, einer Drainschicht, einem Filtervlies und ganz oben der Vegetationsschicht mit den Pflanzen. Die Anweisungen der Hersteller — etwa die PTM-Anweisung zur Ausführung von Gründächern — beschreiben die konkreten Aufbauten und Materialien.
| Schicht (von unten) | Funktion |
|---|---|
| Wasserdichte Membran | Die eigentliche Abdichtung des Daches — die Hauptverantwortung des Dachdeckers |
| Wurzelschutz | Verhindert, dass Pflanzenwurzeln die Bahn durchdringen |
| Drainschicht | Leitet überschüssiges Wasser in den Abfluss und speichert eine kleine Wasserreserve für trockene Perioden |
| Filtervlies | Hält Bodenpartikel aus der Drainageschicht fern, damit sie nicht zusetzt |
| Vegetationsschicht und Pflanzen | Das Grün selbst — von dünnen Sedummatten bis zu tiefem Dachgartenboden |
Wurzelschutz: Pflanzen sind geduldig
Wurzeln suchen Wasser, und die Nähte der Abdichtung sind Wasser. Deshalb verlangt der Aufbau eines Gründachs in der Praxis immer eine wurzelschützende Lage: Entweder ist die Abdichtung selbst nachweislich wurzelfest — es gibt Bitumenbahnen mit wurzelhemmenden Eigenschaften — oder es wird eine gesonderte Wurzelschutzfolie über der Abdichtung verlegt. Ist die Dachabdichtung, z. B. gewöhnliche Bitumenbahn, nicht wurzelfest, muss ein Wurzelschutz ergänzt werden. Das ist ein Detail, an dem man niemals sparen darf: Ein Wurzelschaden zeigt sich erst nach Jahren und verlangt, dass die gesamte grüne Schicht aufgegraben wird.
Das Umkehrdach: Die Dämmung liegt obenauf
Bei einer klassischen Warmdachkonstruktion liegt die Dämmung unter der Abdichtung. Beim Umkehrdach ist die Reihenfolge vertauscht: Die Abdichtung wird direkt auf die tragende Konstruktion gelegt, und die Dämmung kommt oben auf die Abdichtung, typischerweise abgedeckt mit einer Auflast aus Kies, Platten oder eben dem Aufbau eines Gründachs. Der Vorteil ist, dass die Abdichtung geschützt vor UV-Licht, mechanischem Verschleiß und großen Temperaturschwankungen liegt — sie arbeitet weniger und hält länger. Dafür stellt die Lösung besondere Anforderungen an die Dämmung: Sie muss druckfest sein und dauerhafte Feuchtigkeit vertragen, und deshalb wird typischerweise XPS (extrudiertes Polystyrol) verwendet, das seine Dämmwirkung in der nassen Umgebung behält, wo gewöhnliche Mineralwolle wassergesättigt würde.
- 01Umkehrdach: Abdichtung unten, druckfeste und feuchtigkeitsbeständige Dämmung oben, abgeschlossen mit Ballast oder Gründach.
- 02Die Abdichtung muss vollständig dicht und geprüft sein, bevor Dämmung und Auflast eingebaut werden.
- 03Die Entwässerung muss so geplant werden, dass das Wasser sowohl auf der Membran als auch oben auf der Dämmung ablaufen kann.
- 04Der Ballast hält die Dämmung gegen Windsog und Auftrieb an Ort und Stelle — die Menge ist berechnet, nicht zufällig.
Dichtheitskontrolle vor dem Abdecken — unabdingbar
Auf einem gewöhnlichen Bitumendach lässt sich eine Undichtigkeit verhältnismäßig einfach finden und flicken. Auf einem Gründach oder Umkehrdach liegt die Abdichtung unter Dämmung, Drainage und Vegetationsschicht begraben — eine Leckage nachträglich zu finden, bedeutet Aufgraben, und das kostet. Deshalb muss die Dichtheit der Abdichtung kontrolliert und dokumentiert werden, bevor das Dach abgedeckt wird. In der Praxis werden unter anderem die Wasserprobe, bei der die Dachfläche für eine Zeit kontrolliert unter Wasser gesetzt wird, und elektronische Verfahren zur Leckortung genutzt, die selbst kleine Löcher in der Abdichtung lokalisieren können. Die Kontrolle wird in der Qualitätssicherung mit Datum, Methode und Ergebnis dokumentiert.
Eine Aufgabenart mit Zukunft
Gründächer vereinen alles, was das Dachdeckerhandwerk kann: präzise Abdichtungsarbeit, Verständnis für Entwässerung, Zusammenarbeit mit Garten- und Landschaftsbauern und dokumentierte Qualität. Und die Nachfrage wächst mit der Klimaanpassung der Städte. Für den jungen Dachdecker lohnt es sich, das zu merken: Wer sowohl eine fehlerfreie Naht schweißen als auch dem Bauherrn erklären kann, warum auf Wurzelschutz und Dichtheitskontrolle nicht verzichtet werden kann, wird nie arbeitslos.