Heiße Arbeit: die Brandschutzregeln hinter dem Gasbrenner
Die brandtechnische Richtlinie 10 des DBI, das Vereinbarungsformular und die Brandwache
Einleitung
Wenn du den Gasbrenner anzündest, um Dachbahnen zu schweißen, führst du das aus, was die Versicherungs- und Brandschutzwelt heiße Arbeiten nennt: Arbeitsvorgänge, bei denen mit Flammen, Funken oder brandgefährlicher Erwärmung gearbeitet wird oder diese entstehen. Dachdeckerarbeiten werden direkt als eines der typischen Beispiele genannt. Das ist kein Zufall — Brände, die bei Dacharbeiten entstanden sind, haben über die Jahre sowohl Gebäude als auch Betriebe teuer zu stehen gekommen, und deshalb wurde rund um diese Arbeit ein festes System von Regeln und Routinen aufgebaut.
Der Rahmen: die brandschutztechnische Richtlinie 10 des DBI
In Dänemark setzt das Dansk Brand- og sikringsteknisk Institut (DBI) den Rahmen mit der Brandtechnischen Richtlinie 10 — im Alltag BtV10 genannt. Die Richtlinie besteht aus mehreren Teilen: einer Hauptrichtlinie und einem Teil über die praktische Planung und Ausführung. Die Versicherungsgesellschaften verweisen in ihren Policenbedingungen typischerweise auf BtV10; folgst du der Richtlinie also nicht, riskiert der Betrieb eine Schadenersatzhaftung, wenn etwas schiefgeht. BtV10 verteilt die Verantwortung vor, während und nach der Arbeit und ist die Grundlage sowohl für Kurse und Vereinbarungsformulare als auch für die praktischen Maßnahmen auf der Baustelle.
Zertifikat und Vereinbarungsformular — die Papiere müssen in Ordnung sein
Wer heiße Arbeiten ausführt, muss heiße Arbeiten entweder als Teil seiner Berufsausbildung gehabt oder einen Kurs für heiße Arbeiten mit gültigem Zertifikat abgeschlossen haben. Der Kurs umfasst praktische Brandbekämpfung — du musst mit anderen Worten selbst einen Löscher in der Hand gehabt haben, nicht nur ein Video gesehen. Darüber hinaus muss ein Vereinbarungsformular ausgefüllt und unterschrieben werden, bevor die Arbeit beginnt.
- 01Das Vereinbarungsformular wird vom Gebäudeeigentümer oder dessen Vertreter (dem Auftraggeber), dem ausführenden Unternehmen bzw. der ausführenden Person und der Brandwache unterschrieben.
- 02Das Formular beschreibt die Arbeitsstelle, die Art der Arbeit und die vereinbarten brandschutztechnischen Maßnahmen.
- 03Alle Parteien müssen die Sicherheitsanforderungen in BtV10 kennen — das Formular ist zugleich eine Merkliste, die euch zwingt, das Risiko gemeinsam durchzugehen.
- 04Ohne unterschriebene Vereinbarung kann der Versicherungsschutz gefährdet sein, wenn ein Brand entsteht.
Bevor du einschaltest: Räume auf, decke ab und halte Löschmittel bereit
Die allermeisten Dachbrände lassen sich verhindern, bevor die Flamme überhaupt entzündet wird. Brennbares Material im und um den Arbeitsbereich muss entfernt oder abgedeckt werden, und du musst besonders auf verdeckte Hohlräume achten: Traufe, Überstand, Anschlussbleche und Durchführungen, wo Funken und Hitze zu altem, knochentrockenem Holz und Vogelnestern vordringen können. Löschausrüstung muss am Arbeitsplatz bereitstehen — nach der Leitlinie dürfen es höchstens 25 Meter auf derselben Ebene vom Arbeitsplatz zum Löschmaterial sein, und eventuelle Schlauchhaspeln müssen vor Arbeitsbeginn ausgerollt und mit Wasser gefüllt sein.
Während und danach: die Rolle der Brandwache
Während der Arbeit muss auf Funken und Wärmeeinwirkung geachtet werden. Ist die heiße Arbeit abgeschlossen, muss mindestens eine Stunde lang eine Brandwache mit Rundgängen gehalten werden — typischerweise im Abstand von 10-15 Minuten —, bei denen der Arbeitsplatz und die angrenzenden Hohlräume auf Rauch, Wärme und Geruch geprüft werden. Bei besonderen Risiken, z. B. denkmalgeschützten und erhaltenswerten Gebäuden, wird die Nachkontrolle typischerweise auf bis zu zwei Stunden verschärft. Die Brandwache muss in die Aufgabe eingewiesen sein, den Arbeitsplatz kennen und die Löschausrüstung bedienen können — und quittiert das Vereinbarungsformular gleichrangig mit dem Ausführenden.
| Phase | Wichtigste Handlungen |
|---|---|
| Vorher | Das Vereinbarungsformular wird unterschrieben, Brennbares wird entfernt/abgedeckt, Löschgeräte werden bereitgestellt (max. 25 m entfernt) |
| Unter | Laufende Aufsicht, Kontrolle auf Funken bei Hohlräumen und Durchdringungen, der Brenner wird in Pausen gelöscht |
| Nach | Brandwache mindestens 1 Stunde, Rundgang typischerweise alle 10.-15. Minuten, verschärfte Zeit bei denkmalgeschützten Gebäuden |
Lässt sich offenes Feuer vermeiden?
Ja — und die Entwicklung geht in diese Richtung. Bei Details nahe brennbaren Materialien, an der Traufe und an Gebäuden, an denen offenes Feuer ausdrücklich verboten ist, verwenden Dachdecker zunehmend Heißluftautomaten und Heißluftpistolen oder selbstklebende Bahnen, bei denen das Verschweißen ohne Flamme erfolgt. Das hebt die Pflicht zur Umsicht nicht auf — heiße Luft kann immer noch entzünden — aber es verringert das Risiko deutlich. Ein guter Dachdecker kennt beide Techniken und wählt die Methode nach dem Untergrund, nicht nach Gewohnheit.
“Der billigste Brand ist der, der nie entsteht. Eine Stunde Brandwache kostet nichts im Vergleich zu einem abgebrannten Dachgeschoss.”
— Alte Dachdecker-Faustregel, ganz im Einklang mit BtV10