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Der digitale Arbeitsablauf – vom Scan bis zur konstruierten Krone

So wird aus einem Mund eine digitale Datei und aus einer Datei eine Krone

Einleitung

Vor wenigen Jahrzehnten begann praktisch jede zahntechnische Arbeit mit einem physischen Gipsmodell, gegossen aus einem Abdruck, der mit einem Abformmaterial im Mund genommen wurde. Heute wird ein immer größerer Teil der Arbeit von Anfang an digital gescannt. Die Digitalisierung ändert nicht den Zweck - Krone, Brücke oder Schiene müssen weiterhin millimetergenau passen - aber sie ändert, wie der Zahntechniker dorthin gelangt.

Vom Mund zur Datei

Der Arbeitsablauf beginnt typischerweise mit einem Intraoralscanner beim Zahnarzt, der Tausende Bilder pro Sekunde aufnimmt und sie zu einem digitalen 3D-Oberflächenmodell der Zähne und des umliegenden Gewebes zusammensetzt. Hat das Labor stattdessen einen physischen Abdruck oder ein Gipsmodell erhalten, kann es am eigenen Modellscanner des Labors gescannt werden. Unabhängig vom Weg dorthin endet das Ergebnis als digitale Datei, typischerweise im Format STL oder PLY, die die Geometrie der Oberfläche als Netz aus Dreiecksflächen beschreibt.

In der CAD-Software entworfen

Die Datei wird in ein CAD-Programm (computer-aided design) importiert, in dem der Zahntechniker den Ersatz selbst konstruiert. Hier wird die Präparationsgrenze - der Übergang der Krone zum beschliffenen Zahn - mit großer Sorgfalt gezeichnet, denn eine ungenaue Präparationsgrenze kann zu einer schlechten Passform oder einer Kante führen, an der sich Bakterien sammeln können. Danach wird die Anatomie der Krone selbst geformt, und die Software kontrolliert automatisch die Kontaktpunkte zu den Nachbarzähnen und den Biss gegen die gegenüberliegende Zahnreihe in einem virtuellen Artikulator, der die Kaubewegungen des Patienten simuliert.

  • 01Die Präparationsgrenze wird entlang der Kante des beschliffenen Zahns nachgezeichnet.
  • 02Die Grundform der Krone wird aus einer digitalen Zahnbibliothek geholt und an die Anatomie des einzelnen Zahns angepasst.
  • 03Die Kontaktpunkte zu den Nachbarzähnen werden so justiert, dass der Zahn weder zu straff noch zu locker sitzt.
  • 04Der Bisskontakt wird in einem virtuellen Artikulator kontrolliert, der die Kaubewegung des Patienten simuliert.
  • 05Die fertige Konstruktion wird verschachtelt (Nesting) und an die Fertigung (CAM) weitergegeben.

Von der Datei zum physischen Werkstück

Die Herstellung selbst - CAM, computer-aided manufacturing - erfolgt entweder durch Fräsen oder durch Drucken. Beim Fräsen wird die Krone mit rotierenden Diamantbohrern aus einem massiven Block aus Zirkonoxid, Lithiumdisilikat, Komposit oder Metall herausgeschnitten, gesteuert über mehrere Achsen gleichzeitig. Beim 3D-Druck wird das Werkstück stattdessen Schicht für Schicht aus einem flüssigen Fotopolymer aufgebaut, das aushärtet, sobald eine Schicht von Licht aus einem Projektor oder Laser getroffen wird. Die beiden Methoden ergänzen einander: Fräsen wird typischerweise für den endgültigen, haltbaren Zahnersatz verwendet, während der Druck oft für Modelle, Schienen, provisorische Kronen und Gussformen genutzt wird.

MethodePrinzipTypische MaterialienTypische Verwendung
Fräsen (subtraktiv)Material wird aus einem Block herausgeschnittenZirkonoxid, Lithiumdisilikat, Komposit, Kobalt-Chrom, TitanEndgültige Kronen, Brücken und Prothetik
3D-Druck (additiv)Material wird mit Licht Schicht für Schicht aufgebautFotopolymerharzModelle, Schienen, provisorische Kronen, Gussformen

Für den Zahntechniker bedeutet der digitale Arbeitsablauf nicht, dass das Handwerk verschwindet - es verlagert sich. Wo die Hände früher Wachs um ein Gipsmodell formten, führen sie heute eine Maus und eine Tastatur, mit denselben Ansprüchen an das Auge für Form, Funktion und Ästhetik. Die besten Ergebnisse entstehen weiterhin dort, wo solides Materialverständnis und ein geschultes Auge auf die digitale Präzision treffen.

Die Software zeichnet Linien. Es ist immer noch der Zahntechniker, der entscheidet, ob daraus ein Zahn wird.