Rigging im Detail: Traverse, Seil und Sicherheitsfaktor
Warum ein Beschlag nie nur ein Detail ist
Einleitung
Ausrüstung über den Köpfen von Menschen aufzuhängen und zu sichern ist der gefährlichste Bereich des Fachs — und es hat einen Grund, dass Rigging mit einer ganz anderen Gründlichkeit behandelt wird als die meisten anderen Aufgaben hinter der Bühne. Dieser Artikel geht näher auf das technische Fundament ein: Traverse, Seil und die Begriffe, die darüber entscheiden, ob eine Aufhängung sicher ist.
Traverse: das Skelett über der Bühne
Traversen sind leichte, freitragende Konstruktionen — typischerweise aus Aluminium —, die dazu verwendet werden, Licht, Ton und Bildschirme über einer Bühne oder einer Bodenfläche aufzuhängen. Eine Traverse muss an den Enden (und bei langen Spannweiten oft auch in der Mitte) korrekt unterstützt werden, und jeder Montagepunkt hat eine Grenze dafür, wie viel Last er tragen kann, bevor sich die Konstruktion durchbiegt oder versagt.
- 01Traversen müssen nach den Spannweiten- und Lasttabellen des Herstellers unterstützt werden, nicht nach Augenmaß
- 02Alles, was an den Truss gehängt wird, muss in die gesamte Lastberechnung eingehen — nicht nur das schwerste Einzelteil
- 03International verwendet die Branche oft die amerikanischen ANSI-E1-Standards von ESTA/PLASA als gemeinsamen Bezugsrahmen für Truss- und Rigging-Ausrüstung, obwohl es keine entsprechende eigenständige dänische EN-Norm speziell für Bühnentraversen gibt
Drahtseil, Anschlagmittel und Sicherheitsfaktor
Stahlseile und Hebegurte, die zur Sicherung von Ausrüstung in der Rigg verwendet werden, fallen unter die allgemeinen europäischen Normen für Anschlagmittel — unter anderem EN 13411 für Drahtseilendverbindungen und EN 1492 für textile Hebebänder. Allen Hebemitteln ist gemeinsam, dass sie einen Sicherheitsfaktor haben müssen: die Bruchkraft muss deutlich über der Arbeitslast (WLL — Working Load Limit) liegen, für die die Ausrüstung gekennzeichnet ist.
| Begriff | Bedeutung |
|---|---|
| WLL (Working Load Limit) | Die maximale Last, die die Ausrüstung im Normalbetrieb tragen darf |
| Sicherheitsfaktor | Das Verhältnis zwischen Bruchkraft und WLL |
| Zertifikat/Kennzeichnung | Nachweis darüber, dass die Ausrüstung geprüft und abgenommen wurde |
| Belastungswinkel | Der Winkel eines Gurts, der die tatsächliche Belastung deutlich erhöhen kann |
Praktischer Check vor dem Heben
Bevor etwas gehisst oder aufgehängt wird, müssen Beschläge, Seile und Gurte visuell auf Schäden geprüft werden, die Kennzeichnung muss lesbar sein, und der Winkel etwaiger Gurte muss so nah wie möglich an der Senkrechten gehalten werden — je spitzer der Winkel, desto stärker steigt die tatsächliche Belastung jedes Teils des Aufbaus. Alles, was herunterfallen kann, muss außerdem mit einer eigenständigen Absturzsicherung gesichert werden.
Warum die Fachsprache wichtig ist
Je besser du die Begriffe hinter dem Rigging verstehst — WLL, Sicherheitsfaktor, Unterstützung und Lastwinkel —, desto präziser kannst du mit einem Rigging-Verantwortlichen oder einem Vermieter von Rigging-Ausrüstung kommunizieren, und desto leichter erkennst du, wenn etwas von dem abweicht, wie es sein soll.