Gebrauchsklassen und Druckimprägnierung von Holz
Vom trockenen Raumklima bis zum Erdkontakt — so wird Holz vor Feuchte und Fäulnis geschützt
Einleitung
Holz ist stark und dauerhaft, solange es trocken gehalten wird. Die Probleme entstehen, wenn der Feuchtegehalt über längere Zeit so hoch ist, dass Fäulnispilze wachsen können. Deshalb ist es ein zentraler Teil der Materialkunde, zu beurteilen, wie feucht das Holz in der konkreten Konstruktion werden wird — und einen Schutz zu wählen, der zur Belastung passt, weder mehr noch weniger.
Die drei Nutzungsklassen
Zur Beschreibung der Feuchtebeanspruchung von Holz werden drei Gebrauchsklassen verwendet. Sie bestimmen sowohl, wie dauerhaft das Holz sein muss, als auch, welche Rechenwerte man in einer tragenden Konstruktion ansetzen darf, denn feuchtes Holz ist schwächer als trockenes.
| Gebrauchsklasse | Umgebung | Beispiel |
|---|---|---|
| Klasse 1 | Trockenes, beheiztes Raumklima | Innenwände, Fußböden, Decken |
| Klasse 2 | Überdacht, aber feucht/unbeheizt | Belüftete Dachkonstruktion, Carport |
| Klasse 3 | Der Witterung oder Erdkontakt ausgesetzt | Terrasse, Zaun, Außenverkleidung |
Wann muss das Holz imprägniert werden?
In den Nutzungsklassen 1 und 2 kommt gewöhnliches, trockenes Konstruktionsholz gut zurecht, solange es belüftet gehalten wird und nach einer Feuchtebelastung wieder austrocknen kann. Erst in Nutzungsklasse 3 — wo das Holz Regen, langanhaltender Feuchte oder direktem Erdkontakt ausgesetzt ist — muss man normalerweise druckimprägniertes Holz oder eine natürlich dauerhafte Holzart verwenden. Wählt man unbehandelte Kiefer für einen Pfosten im Erdreich, kann er in wenigen Jahren verfault sein.
Die NTR-Klassen
Druckimprägniertes Holz wird nach dem nordischen NTR-System gekennzeichnet, das das Holz danach einteilt, für wie starke Feuchtebelastung die Imprägnierung ausgelegt ist. Je härter die Belastung, desto mehr Imprägniermittel wird in das Holz gepresst.
- 01NTR-Klasse A — für Holz im und nahe am Erdreich, in Süßwasser und für Konstruktionen mit sicherheitsrelevantem Risiko; durchimprägniert
- 02NTR-Klasse AB — für Bekleidung, Fassade und Zäune ohne Erdkontakt; durchimprägniert, aber mit geringerer Aufnahme als Klasse A
- 03NTR Fichte — Fichte hat eine geschlossene Porenstruktur und wird nur an der Oberfläche imprägniert; wird als Grundierung vor einer anschließenden Oberflächenbehandlung verwendet
Konstruktive Lösungen statt Chemie
Der beste Schutz ist oft konstruktiv. Wenn man das Holz vom Erdboden fernhält und für Entwässerung, Dachüberstand und Belüftung sorgt, kann man in vielen Fällen eine niedrigere Gebrauchsklasse verwenden und auf eine Imprägnierung verzichten. Ein Pfosten auf einem verzinkten Pfostenschuh hält weit länger als einer, der direkt in den Boden eingegossen wird — und ein guter Zimmerer denkt immer daran, wie das Wasser vom Holz wegkommt.
Holzart, Imprägnierung und Konstruktion auf die richtige Gebrauchsklasse abzustimmen, ist zugleich wirtschaftlich, gutes Handwerk und gut für die Umwelt. Das ist eine Beurteilung, die Zimmerer, Bodenleger und Reetdachdecker jeweils in ihrem eigenen Bereich vornehmen können müssen.