Energieanforderungen und U-Werte in BR18
0,20 für das Dach und 0,30 für die Wand — so liest du die Mindestanforderungen der Bauteile
Einleitung
Ein großer Teil moderner Zimmererarbeit dreht sich darum, die Wärme im Haus zu halten. Die Bauordnung stellt konkrete Anforderungen daran, wie viel Wärme jedes einzelne Bauteil abgeben darf, und diese Anforderungen bestimmen in der Praxis, wie dick in Dach, Wand und Boden gedämmt werden muss. Versteht man den U-Wert, versteht man, warum die Konstruktionen so aussehen, wie sie aussehen.
Was ist ein U-Wert?
Der U-Wert gibt an, wie viel Wärme durch einen Quadratmeter eines Bauteils strömt, wenn der Temperaturunterschied zwischen innen und außen ein Grad beträgt. Er wird in Watt pro Quadratmeter pro Kelvin gemessen, W/(m²K). Je niedriger der U-Wert, desto besser dämmt das Bauteil. Eine dicke, gut gedämmte Dachkonstruktion hat einen niedrigen U-Wert; eine dünne, schlecht gedämmte Wand einen hohen.
Die Mindestanforderungen von BR18 beim Neubau
BR18 legt Mindestanforderungen (U-Wert-Anforderungen) für die einzelnen Bauteile im Neubau fest. Diese Mindestanforderungen müssen immer eingehalten werden, unabhängig davon, wie der gesamte Energierahmen des Gebäudes berechnet wird. Die wichtigsten für den Zimmerer sind die Anforderungen an Dach, Außenwand und erdberührte Bodenplatte.
| Bauteil | Mindestanforderung U-Wert (Neubau) |
|---|---|
| Decke und Dach | 0,20 W/(m²K) |
| Außenwände und Kellerwände gegen Erdreich | 0,30 W/(m²K) |
| Bodenplatte und Geschossdecke gegen Außenluft | 0,20 W/(m²K) |
| Geschossdecke/Trennwand zu unbeheiztem Raum | 0,40 W/(m²K) |
| Fenster und Glaswände (gegen die Außenluft) | 1,80 W/(m²K) |
Verschärfte Anforderungen bei der Renovierung
Bei Umbau und Renovierung bestehender Bauteile werden oft strengere Anforderungen gestellt als beim Neubau, weil man die Gelegenheit nutzt, den Standard anzuheben. Für beheizte Räume kann die Anforderung an das Dach bei etwa 0,12 W/(m²K) liegen, für Außenwände bei etwa 0,18 und für Bodenplatten bei etwa 0,10. Das bedeutet in der Praxis noch dickere Dämmung, wenn man ohnehin dabei ist, die Konstruktion zu öffnen.
Vom U-Wert zur Dämmdicke
- 01Je niedriger die U-Wert-Anforderung, desto dicker muss die Dämmschicht sein
- 02Der Lambdawert der Dämmung (Wärmeleitfähigkeit) bestimmt, wie dick es sein muss, um die Anforderung zu erreichen
- 03Wärmebrücken an Sparren, Pfetten und Verbindungen verschlechtern den tatsächlichen U-Wert und müssen begrenzt werden
- 04Eine gut gedämmte Schicht hilft nicht, wenn die Luftdichtheit versagt — die beiden hängen zusammen
Für den Zimmerer ist der U-Wert das Bindeglied zwischen behördlicher Anforderung und praktischem Handwerk. Er bestimmt, wie viel gedämmt werden muss und damit, wie kräftig die Sparren und wie tief die Konstruktionen sein müssen. Die richtigen Mindestanforderungen nachschlagen und sie in eine Konstruktion umsetzen zu können, die zugleich dämmt und dicht ist, ist eine Kernfertigkeit im modernen Holzbau.