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Reetdach: Aufbau, Materialien und Decktechnik

Vom Reet auf den Latten bis zum First — so wird ein Reetdach aufgebaut

Einleitung

Das Reetdach ist eine der ältesten Dacheindeckungen in Dänemark und bis heute ein lebendiges Handwerk. Ein gutes Reetdach hält jahrzehntelang dicht und gibt dem Gebäude einen charakteristischen, weichen Ausdruck, den keine andere Dacheindeckung nachahmen kann. Hinter der ruhigen Oberfläche steckt ein präzises Handwerk, bei dem Lage für Lage Schilfrohr aufgebaut und festgebunden wird, sodass das Wasser immer nach außen und nach unten geleitet wird.

Die Materialien

  • 01Reet — das tragende Deckmaterial, geerntet und nach Länge, Dicke und Reinheit sortiert
  • 02Bindedraht — rostfreier oder verzinkter Draht, der die Rohre an den Latten festbindet
  • 03Stäbe (Reetdeckerstäbe) — die die Reetlagen niederdrücken und den Druck der Bindung verteilen
  • 04Material der Firstabdeckung — zum Beispiel Heidekraut, Stroh oder Soden, die den First dicht abschließen
  • 05Latten — der Untergrund, an dem die Rohre festgebunden werden

Der Aufbau Schicht für Schicht

Das Decken erfolgt von unten nach oben. Die erste Lage wird am Dachfuß gelegt, und jede neue Lage wird so gelegt, dass sie die Bindung der darunterliegenden Lage abdeckt — genauso wie Dachziegel mit Überlappung gelegt werden. Das Reet wird mit Bindedraht an den Latten befestigt, der über einen Stab gespannt wird, sodass sich der Druck gleichmäßig entlang der Latte verteilt. Die Dicke des fertigen Dachs liegt typischerweise in der Größenordnung von 25-30 cm und ist aus mehreren Gleitlagen aufgebaut.

Die Decktechnik

Der Kern des Reetdachhandwerks ist die Bindung. Früher nähte man das Reet mit Dachdeckernadel und Garn durch das Dach fest; heute wird das Reet meist mit Bindedraht und Schrauben an den Latten festgeschraubt oder festgebunden, in einer Technik, bei der der Draht nicht durch das Dach geht. Nach dem Binden wird das Reet mit einem Klopfbrett (einem geriffelten Brett) in Position geklopft, sodass die Oberfläche eben und dicht wird und das Reet im richtigen Winkel liegt, um das Wasser abzuleiten.

Die Firstabdeckung — der Abschluss des Firstes

Der First, an dem die beiden Dachflächen zusammentreffen, lässt sich nicht allein mit Reet decken, weil das Rohr hier zu flach stehen würde, um das Wasser abzuhalten. Deshalb wird der First mit einer Firstabdeckung geschlossen — traditionell aus Heidekraut, Stroh oder Torf — die mit Stöcken und Holzpflöcken gebunden oder festgehalten wird. Die Firstabdeckung ist der am stärksten belastete Teil des Daches und muss in der Regel gewartet und erneuert werden, lange bevor das übrige Dach verschlissen ist.

ElementFunktion
ReetWasserabweisendes Deckmaterial
Bindedraht + StabBindet und fixiert die Rohrlagen
KlopfbrettKlopft die Oberfläche eben und dicht
FirstabdeckungSchließt den First gegen Wasser ab
GleitschichtMehrere Schichten, die die Dicke des Daches ausmachen

Qualität und Lebensdauer

Ein gut ausgeführtes Reetdach erkennt man an einer gleichmäßigen, straffen Oberfläche, einer dichten Deckung ohne dünne Partien und einem gut gebundenen First. Die Lebensdauer hängt von der Dachneigung ab, davon, wie stark es Schatten und Feuchtigkeit ausgesetzt ist, und von der Qualität des Rohrs — ein steiles, gut belüftetes Dach auf der Sonnenseite hält weit länger als ein flaches, beschattetes Dach nach Norden. Der Reetdachdecker beurteilt all diese Verhältnisse, wenn ein Dach neu gedeckt oder repariert werden soll.

Das Reetdach wird gebunden, nicht genagelt — und ein gut gebundenes Dach steht ein Menschenalter lang straff.