Die Gesellenprüfung in der Bauausbildung der Holzberufe
Praktische Prüfung und mündliche Prüfung — der Weg zum Gesellenbrief
Einleitung
Die Gesellenprüfung ist der Höhepunkt von mehreren Jahren Schule und Lehrbetrieb. Besteht man, erhält man seinen Gesellenbrief — den offiziellen Nachweis, dass man ein gelernter Handwerker in seinem Spezialgebiet ist. Die Prüfung ist keine bloße Formalität, sondern eine echte Prüfung, ob man ein Stück fachlicher Arbeit selbstständig nach den im Fach gestellten Anforderungen planen, ausführen und beurteilen kann.
Der Verlauf der Ausbildung
Die Bauausbildung der Holzfächer besteht aus einem Grundlehrgang (GF1 und GF2) und einem Hauptverlauf. Der Hauptverlauf dauert typischerweise etwa 3 bis 3,5 Jahre und wechselt zwischen Schulaufenthalten und der Ausbildung in einem Unternehmen, wobei der größte Teil der Zeit als Praxis am Ausbildungsplatz stattfindet. Erst im Hauptverlauf wählt man endgültig seine Fachrichtung: Zimmerer, Bodenleger oder Reetdachdecker.
Die praktische Prüfung
Der praktische Teil ist das Herz der Gesellenprüfung. Hier muss der Schüler ein konkretes Stück fachlicher Arbeit innerhalb eines festgelegten Zeitrahmens ausführen. Der Zeitrahmen spiegelt den Umfang der Aufgabe wider und ist für die drei Fachrichtungen unterschiedlich: Für Zimmerer und Bodenleger umfasst die praktische Prüfung 37 Stunden, für den Reetdachdecker 28 Stunden. Die Arbeit wird nach Planung, Ausführung, Präzision und nach der Qualität des fertigen Ergebnisses bewertet.
| Fachrichtung | Praktische Prüfung |
|---|---|
| Zimmerer | 37 Stunden |
| Bodenleger | 37 Stunden |
| Reetdachdecker | 28 Stunden |
Die theoretische Prüfung
Über den praktischen Teil hinaus gehört eine mündliche, theoretische Prüfung dazu. Sie dauert typischerweise 30 Minuten einschließlich Beratung (Bewertung) und hat etwa 30 Minuten Vorbereitungszeit. Bei der mündlichen Prüfung stellt der Schüler seine Arbeit ausgehend von einem Fall oder einer Aufgabe vor und zieht außerdem eine zufällige Frage, die fachlich zu beantworten ist. Hier wird das Verständnis hinter dem Handwerk geprüft: Materialwahl, Konstruktion, Vorschriften und Arbeitsumfeld.
So bereitest du dich vor
- 01Plane die Zeit — die praktische Prüfung läuft auf Zeit, deshalb ist ein guter Arbeitsplan der halbe Sieg
- 02Kenne deine Ziele — wiederhole die Kompetenzziele deiner Fachrichtung und die Fachbegriffe
- 03Übe die Präsentation — erklären können, warum du gerade diese Lösung und dieses Material gewählt hast
- 04Kenne die Regeln — BR18, Arbeitsumwelt und Normen tauchen im mündlichen Teil auf
- 05Qualität vor Eile — die fertige Arbeit wird nach Präzision und Finish beurteilt
Nach dem Gesellenbrief
Der Gesellenbrief ist kein Ende, sondern ein Anfang. Er eröffnet den Zugang dazu, als Facharbeiter zu arbeiten, sich für weiterführende Ausbildungen zu bewerben und auf Sicht selbstständiger Meister zu werden. Manche nehmen eine der Anerkennungen und Medaillen mit, die an die besten Gesellenprüfungen vergeben werden, als zusätzliche Feder am Hut — aber das Wichtigste ist, dass der Brief dokumentiert, dass man sein Fach beherrscht.
“Der Gesellenbrief ist der Beweis dafür, dass man eine Aufgabe nicht nur ausführen kann, sondern auch für sie einsteht — fachlich und selbstständig.”