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Artikel·Uhrmacher·Materialien

Uhrglas, Uhrgehäuse und Armband — Materialien im Uhrmacherhandwerk

Vom Saphirglas bis zu den Nickelvorschriften

Einleitung

Eine Uhr besteht aus weit mehr Materialien, als die meisten bedenken: das Glas, das das Zifferblatt schützt, das Gehäuse, das das Uhrwerk beherbergt, und das Band oder das Gliederarmband, das die Uhr an ihrem Platz hält. Als Uhrmacher gehört Materialkenntnis zur täglichen Beratung — denn die Wahl beeinflusst Haltbarkeit, Preis, Aussehen und in manchen Fällen auch die Gesundheit des Kunden.

Uhrglas: drei Haupttypen

GlastypEigenschaftTypische Verwendung
MineralglasWärme- oder chemisch behandeltes Glas, einigermaßen kratzfestAlltagsuhren in der mittleren Preisklasse
SaphirglasSynthetisches Kristall, sehr hart und kratzfest, kann aber bei hartem Stoß zerbrechenQualitätsuhren und Taucheruhren
Plexiglas (Hesalit)Leichtes Kunststoffglas, biegt sich beim Stoß statt zu zerbrechen, Kratzer lassen sich leicht wegpolierenVintage-inspirierte Uhren

Die Wahl des Glases ist oft eine Abwägung zwischen Preis, Kratzfestigkeit und der Fähigkeit, einen harten Schlag auszuhalten. Saphirglas zerkratzt im Alltag fast nie, kann aber in seltenen Fällen bei einem kräftigen, scharfen Schlag zerspringen, während sich Plexiglas stattdessen biegt und den Stoß aufnimmt.

Das Material des Uhrgehäuses

  • 01Edelstahl: haltbar, korrosionsbeständig und relativ günstig zu bearbeiten — die häufigste Wahl der Branche
  • 02Titan: leichter als Stahl und von hautempfindlichen Kunden oft besser vertragen
  • 03Vergoldetes oder beschichtetes Metall: gibt einen Goldlook zu einem niedrigeren Preis, aber die Beschichtung kann im Lauf der Jahre durchgescheuert werden
  • 04Massives Gold: exklusiv und schwer, aber weicher und empfindlicher gegenüber Dellen als Stahl

Nickelallergie und gesetzliche Anforderungen

Die REACH-Verordnung der EU enthält eine sogenannte Nickelregel, die begrenzt, wie viel Nickel Gegenstände mit langanhaltendem Hautkontakt abgeben dürfen — das gilt unter anderem für Uhrengehäuse, Schließen und Gliederarmbänder. Die Regel gibt es, um Kontaktekzeme zu verhindern, und sie ist besonders relevant, wenn du mit billigeren Legierungen oder älteren, vergoldeten Gehäusen arbeitest, bei denen die Beschichtung durchgescheuert sein kann. Als Uhrmacher solltest du einen Kunden mit bekannter Nickelallergie darüber beraten können, welche Materialien am verträglichsten sind.

Armbänder und Gliederarmbänder

  • 01Lederarmband: angenehm zu tragen, nimmt aber Feuchtigkeit und Schweiß auf und muss regelmäßig gewechselt werden
  • 02Stahlband: beständig gegen Feuchtigkeit und in der Regel vom Uhrmacher in der Länge anpassbar
  • 03Gummi/Silikon: gut geeignet für Sport- und Freizeituhren, verträgt Wasser und Schweiß gut
  • 04NATO-/Textilband: robust, günstig und beliebt für den Alltagsgebrauch, ursprünglich für den militärischen Gebrauch entwickelt

Die Materialwahl ist selten nur eine technische Frage. Es gehört zu dem Vertrauen, das die Kundin oder der Kunde in dich als Fachperson setzt, dass du Vor- und Nachteile in einer Sprache erklären kannst, die sie verstehen — und dass du Lösungen wählst, die sowohl zum Wert der Uhr als auch zum Alltag der Kundschaft passen.