Röntgen und Strahlenschutz in der Tierklinik
Warum das Personal jedes einzelne Mal geschützt werden muss
Einleitung
Ein Tier, das geröntgt wird, wird in seinem Leben typischerweise nur ein- oder wenige Male bestrahlt. Für das Personal in der Klinik ist das anders. Eine Tiermedizinische Fachangestellte, die täglich bei Röntgenaufnahmen dabei ist, wird immer wieder Strahlung ausgesetzt, Jahr für Jahr — und gerade diese wiederholte, kumulierte Exposition macht den Strahlenschutz des Personals zu einer eigenständigen und ernsten Disziplin, nicht bloß zu einer Formalität.
Gesetzliche Anforderung: ein benannter Strahlenschutzkoordinator
Seit 2018 ist es gesetzlich vorgeschrieben, dass alle Tierkliniken und Tierarztpraxen, in denen mit CT, MRT, Durchleuchtung, Dentalröntgen oder gewöhnlichem Röntgen gearbeitet wird, einen Strahlenschutzkoordinator benennen müssen. Der Koordinator ist dafür verantwortlich, dass Geräte, Anweisungen und Routinen der Praxis rund um Strahlung den Regeln entsprechen, und ist derjenige, den du kennen und fragen solltest, wenn du bei einer konkreten Prozedur an deinem Arbeitsplatz im Zweifel bist.
Das Grundprinzip: Abstand, Abschirmung, Zeit
Der Strahlenschutz beruht auf einigen einfachen, aber entscheidenden Grundsätzen: je größer der Abstand zur Strahlenquelle, desto geringer die Dosis; je besser die Abschirmung (Blei), desto geringer die Dosis; und je kürzer die Zeit im Strahlenfeld, desto geringer die Dosis. In der Praxis bedeutet das, dass das Personal den Raum grundsätzlich verlassen soll, wenn es möglich ist, während die Aufnahme gemacht wird.
- 01Verlasse den Raum während der eigentlichen Exposition, wenn es irgend möglich ist.
- 02Verwende Fixierhilfsmittel wie Sandsäcke, Schaumstoff und Klebeband, um das Tier in Position zu halten, statt es mit den Händen zu halten.
- 03Kannst du den Raum ausnahmsweise nicht verlassen, musst du vollständigen persönlichen Strahlenschutz tragen — Bleischürze, Schild und strahlenschützende Handschuhe — und den größtmöglichen Abstand zur Strahlenquelle halten.
- 04Entferne Metallgegenstände wie Schmuck und Halsbänder mit Metallschnallen aus dem Aufnahmefeld, bevor das Bild gemacht wird.
- 05Sorge dafür, dass sich nur das für die Aufnahme unbedingt notwendige Personal im Raum aufhält.
Dosisüberwachung — dein persönliches Dosimeter
Personal, das mit Röntgen arbeitet, trägt ein persönliches Dosimeter, das die kumulierte Strahlendosis über die Zeit misst. Das Dosimeter wird sichtbar und konsequent getragen, und die Klinik verfolgt die Messwerte laufend, damit kein Mitarbeiter einer Dosis ausgesetzt wird, die sich den festgelegten Grenzwerten nähert oder sie überschreitet. Ein vergessenes oder falsch platziertes Dosimeter ergibt ein irreführendes Bild der tatsächlichen Exposition und untergräbt den gesamten Zweck der Überwachung.
| Situation | Empfohlene Maßnahme |
|---|---|
| Ruhiges Tier, Routineaufnahme | Verlasse den Raum während der Exposition |
| Unruhige oder ängstliche Tiere, die fixiert werden müssen | Setze zuerst Fixierhilfsmittel ein; persönliches Festhalten nur ausnahmsweise und mit vollem Schutz |
| Wiederholte Aufnahmen am selben Tag | Wechsle die Aufgabe zwischen den Kollegen, um die Dosis zu verteilen |
| Zweifel an der richtigen Vorgehensweise | Frage den Strahlenschutzkoordinator der Klinik, bevor du weitermachst |
Wenn sich das Bild wiederholen soll
Ein unscharfes oder falsch gewinkeltes Bild bedeutet oft, dass die Aufnahme wiederholt werden muss — und damit, dass Tier und Personal ein weiteres Mal Strahlung ausgesetzt werden. Gute Vorbereitung, korrekte Positionierung und der Einsatz von Fixierhilfen statt der Hände verringern deshalb nicht nur die einzelne Exposition, sondern auch das Risiko, dass die Aufnahme beim ersten Mal überhaupt nicht gelingt.
“Der beste Strahlenschutz ist der, den du gar nicht brauchst — nutze Fixierhilfen und Abstand, bevor du Blei einsetzt.”