Zum Inhalt springen
← Artikel·Schweißen·Schweißtechnik

Nahtarten und Schweißpositionen

So wird die Verbindung vorbereitet, und das bedeuten die Schweißpositionen

Einleitung

Eine Schweißung ist nur so gut wie die Vorbereitung der Verbindung, in die sie gelegt wird. Die Fugenform und die Fugenvorbereitung bestimmen, wie der Schweißzusatz durchdringen und das Material verbinden kann, und die Schweißposition entscheidet, wie schwer die Arbeit auszuführen ist.

Häufige Fugenarten

Die Stoßart beschreibt, wie die Teile zueinander liegen. Am häufigsten sind der Stumpfstoß, bei dem zwei Bleche oder Rohre Kante an Kante aufeinandertreffen (Stumpfnaht, auf dem Zertifikat BW), und die Kehlnaht (auf dem Zertifikat FW), bei der sich die Teile in einem Winkel treffen — zum Beispiel ein T-Stoß oder ein Eckstoß.

  • 01Stumpfstoß: die Teile treffen Kante an Kante aufeinander
  • 02T-Stoß: ein Werkstück steht rechtwinklig auf einem anderen
  • 03Eckverbindung: Die Werkstücke treffen in einer Ecke aufeinander
  • 04Überlappstoß: die Werkstücke liegen teilweise übereinander

Nahtvorbereitung

Bei dickerem Material ist es oft nötig, die Kanten vorzubereiten, damit die Schweißung ganz durchdringen kann. Das kann bedeuten, eine Fase an die Kante zu schleifen oder zu schneiden, sodass eine V- oder X-Naht entsteht, und einen passenden Wurzelspalt zwischen den Werkstücken einzustellen. Die Vorbereitung sichert eine gute Durchschweißung in der Wurzel der Naht.

Schweißpositionen

Die Schweißposition beschreibt die Ausrichtung des Werkstücks und der Schweißnaht im Raum. Waagerecht in Wannenlage zu schweißen ist am leichtesten, weil das Schmelzbad ordentlich liegen bleibt. Senkrecht und über Kopf ist schwieriger, weil die Schwerkraft am geschmolzenen Metall zieht. Die Positionen haben genormte Bezeichnungen, die sowohl in der Ausbildung als auch bei der Zertifizierung verwendet werden.

Typische Stellungen

  • 01Fallend waagerecht: Das Schmelzbad liegt ruhig, am leichtesten zu schweißen
  • 02Waagerecht auf senkrechter Fläche: erfordert Kontrolle über das Schmelzbad
  • 03Senkrecht: kann mit unterschiedlicher Technik steigend oder fallend geschweißt werden
  • 04Über Kopf: die schwierigste, erfordert gutes Handgeschick

Die Positionen haben Codes: PA bis PK

Die Norm ISO 6947 (4. Ausgabe von 2019) gibt jeder Hauptposition einen Code. Die Codes stehen in Schweißanweisungen, in den AMU-Zielen und auf deinem Zertifikat.

  • 01PA: Waagerecht, von oben geschweißt (Wannenlage)
  • 02PB: Horizontal-vertikal (Kehlnaht, von oben geschweißt)
  • 03PC: Waagerechte Naht an einer senkrechten Wand
  • 04PD: Horizontal-Überkopf (Kehlnaht, von unten geschweißt)
  • 05PE: Überkopf
  • 06PF: Senkrecht, steigend geschweißt
  • 07PG: Senkrecht, fallend geschweißt
  • 08PH: Rohr, steigend geschweißt
  • 09PJ: Rohr, fallend geschweißt
  • 10PK: Rohr, Orbitalschweißen (rundum geschweißt)

Es gibt auch Prüfpositionen für schräg liegende Rohre, z. B. H-L045: Das Rohr ist um 45° geneigt. Solche Positionen sind seit der Ausgabe von 2011 in der Norm enthalten.

Wenn du ein Prüfstück schweißt, darf das Teil höchstens ±5° in der Neigung und ±10° in der Drehung von der Hauptposition abweichen. Wird eine Prüfung in einer Position außerhalb der Hauptpositionen geschweißt (eine besondere Prüfposition, SP), müssen Neigung und Drehung notiert werden, und in der Fertigung deckt sie dann ±15° ab.

Abkürzungen auf dem Zertifikat

  • 01BW: Stumpfnaht (butt weld)
  • 02FW: Kehlnaht (fillet weld)
  • 03P: Blech
  • 04T: Rohr
  • 05t: die Materialdicke
  • 06D: Außendurchmesser des Rohres

Ein Beispiel aus der Ausbildungsordnung für Schmiede: Das AMU-Ziel «Lys b svejs-stumps plade pos PA-PF» schreibt «BW-P-PA, 2-n strenge». Das bedeutet Stumpfnaht an Blech, geschweißt in Wannenlage, mit zwei oder mehr Lagen.

Zusammenhang mit der Zertifizierung

Sowohl die Nahtart als auch die Schweißposition gehen in das ein, wofür eine Schweißzertifizierung gilt. Eine Prüfung in einer Position und einer Verbindungsart deckt nicht notwendigerweise alle anderen ab. Deshalb übt man bewusst in den Positionen und Nahtarten, die die Arbeit und die Prüfung verlangen.

Übung in den schwierigen Positionen

Die waagerechten Positionen lernt man schnell, aber die senkrechten und die Über-Kopf-Positionen erfordern mehr Übung. Sie zu beherrschen, macht den Schweißer vielseitig und befähigt ihn, Verbindungen auszuführen, bei denen das Werkstück nicht in die leichte Position gedreht werden kann.