Strukturierte Verkabelung — Normen, Kategorien und Glasfaser
ISO/IEC 11801, Kupferkategorien und wann Glasfaser sinnvoll ist
Einleitung
Strukturierte Verkabelung ist der Gedanke, ein Gebäudenetzwerk nach einem festen, dokumentierten Plan aufzubauen, statt Kabel ad hoc zu ziehen, wie der Bedarf gerade entsteht. Die internationale Norm ISO/IEC 11801 beschreibt die Anforderungen an Verkabelung, Komponenten und Messmethoden, und in Europa arbeitet man oft nach der entsprechenden EN 50173, die an die ISO-Norm angepasst ist.
Kategorien und Klassen
Umgangssprachlich spricht man von Kabelkategorien wie Cat5e, Cat6 und Cat6a — das ist die nordamerikanische TIA/EIA-Bezeichnung. ISO/IEC 11801 verwendet stattdessen das Wort 'Klasse' für das gesamte Verkabelungssystem und 'Kategorie' für die einzelnen Komponenten, aber in der Praxis wird oft beides unter demselben Namen genannt.
| Kategorie | ISO-Klasse | Bandbreite | Typische Verwendung |
|---|---|---|---|
| Cat5e | Klasse D | 100 MHz | Bis zu 1 Gbit/s, ältere Installationen |
| Cat6 | Klasse E | 250 MHz | Bis zu 10 Gbit/s auf kürzeren Strecken |
| Cat6a | Klasse Ea | 500 MHz | 10 Gbit/s zuverlässig über die vollen 100 Meter |
Kupfer oder Glasfaser?
Kupferverkabelung ist billiger und einfacher zu konfektionieren, ist aber auf etwa 100 Meter begrenzt und wird von elektromagnetischen Störungen beeinflusst. Glasfaser sendet Daten als Licht und ist von elektrischen Störungen unbeeinflusst — das ergibt eine weit größere Reichweite und Bandbreite. Multimode-Faser wird typischerweise für kürzere Entfernungen innerhalb eines Gebäudes verwendet, während Singlemode-Faser mit ihrem dünneren Kern für die langen Strecken zwischen Gebäuden oder für das Rückgrat eines größeren Netzes eingesetzt wird, weil das Signal über die Entfernung weniger gedämpft wird.
- 01Patchpanels führen die Verkabelung an einer Stelle zusammen und machen Um- und Abschalten übersichtlich
- 02Patchkabel sollten dieselbe oder eine höhere Kategorie haben als die feste Installation, um nicht zum Flaschenhals zu werden
- 03Power over Ethernet (PoE) schickt Strom durch das Netzwerkkabel, zum Beispiel zu Accesspoints und Kameras — je mehr Kabel im selben Bündel liegen, desto mehr Wärme muss das Kabel verkraften können
- 04Die Verkabelung eines Gebäudes hat typischerweise eine erwartete Lebensdauer von 15–25 Jahren, weit länger als die aktive Technik, die sie bedient
Dokumentation und Lebensdauer
Weil die Verkabelung jahrelang verdeckt in Wänden und Decken liegt, ist die Dokumentation entscheidend. Jedes Kabel sollte an beiden Enden nach einem festen Benennungsstandard beschriftet werden, und ein aktueller Verkabelungsplan muss zeigen, welches Patchpanel-Feld zu welchem Raum und welcher Dose gehört. Ohne diese Dokumentation kostet selbst eine kleine Fehlersuche am Ende Stunden, weil niemand weiß, wohin ein Kabel eigentlich führt.
“Die aktiven Geräte werden alle fünf Jahre ausgetauscht. Die Verkabelung in der Wand soll möglichst dreimal so lange halten — deshalb ist sie das, woran man nicht falsch sparen darf.”
— Erfahrungsregel aus der Installationsarbeit