Visual Merchandising in der Tiefe — Farbe, Licht und Ladengestaltung
So baust du ein Geschäft auf, in dem sich die Kundschaft zurechtfindet und zugleich inspiriert wird
Einleitung
Kein Laden verkauft sich allein durch gute Waren — die Art, wie die Waren präsentiert werden, entscheidet, ob der Kunde sie überhaupt bemerkt. Visual Merchandising ist die Kunst und das Handwerk hinter dieser Präsentation, und es ist der Kern der Fachrichtung Dekorateur / Visual Merchandiser. Hier gehen wir eine Ebene tiefer als die grundlegende Warenpräsentation und sehen uns die Mittel an, die ein erfahrener Merchandiser bewusst einsetzt.
Laufmuster und die goldene Zone
Kunden bewegen sich nicht zufällig durch einen Laden — sie folgen einem vorhersehbaren Muster, das nach dem Eingang oft rechts beginnt und gegen den Uhrzeigersinn verläuft. Ein guter Merchandiser nutzt das, indem er Impulsartikel und Neuheiten früh auf der Route platziert, während Waren des täglichen Bedarfs, die der Kunde ohnehin braucht, oft weiter hinten liegen. Die sogenannte goldene Zone — die Regale auf Augenhöhe und direkt darunter — ist der Bereich, auf dem der Blick des Kunden zuerst landet, und damit der wertvollste Regalplatz im Laden.
- 01Impulsware und Angebote nahe am Eingang fangen den Kunden früh ein
- 02Die goldene Zone (Augenhöhe) ist der wertvollste Regalplatz des Ladens
- 03Die notwendigen Waren des täglichen Bedarfs werden so platziert, dass der Kunde unterwegs trotzdem an vielem vorbeikommt
- 04Die Enden der Regale (Kopfplatzierungen) sind ideal für Aktionen und Neuheiten
Die Wirkung der Farbe
Farben erzeugen Stimmung, bevor der Kunde überhaupt eine einzige Ware gesehen hat. Warme Farben wie Rot und Orange werden als energisch wahrgenommen und dienen oft dazu, Angebote und Ausverkauf zu signalisieren, während kühle Farben wie Blau und Grün ruhiger wirken und zum Beispiel für Gesundheit, Natur oder Premiumprodukte eingesetzt werden. Ein guter Merchandiser wählt Farben nicht zufällig, sondern nach dem Gefühl, das der Laden oder die Kampagne beim Kunden auslösen soll — und sorgt dafür, dass die Farbwahl zur gesamten visuellen Identität des Ladens passt.
Licht — mehr als nur die Ware sehen zu können
Beleuchtung hat zwei Funktionen: Sie muss es möglich machen, die Waren ordentlich zu sehen, und sie muss die richtige Stimmung schaffen. Arbejdstilsynet (dänische Arbeitsaufsicht) stellt Anforderungen an die Beleuchtung an Arbeitsplätzen, auch in Geschäften, und zwar gerade weil unzureichendes oder falsches Licht sowohl das Fehlerrisiko erhöht als auch Augen und Wohlbefinden der Mitarbeiter über einen Arbeitstag hinweg belastet. Über das arbeitsschutzrechtliche Minimum hinaus setzen Merchandiser Licht aktiv ein: Spotlicht, das eine einzelne Ware hervorhebt, warmes Licht, das Textilien und Speisen einladend wirken lässt, und allgemein gleichmäßiges Licht, das im übrigen Geschäft Überblick schafft.
Beschilderung und Information
Ein Schild muss zwei Dinge gleichzeitig tun: korrekt informieren und einladend aussehen. Preisschilder müssen deutlich und zutreffend sein — das ist zugleich eine gesetzliche Anforderung und nicht nur eine Verkaufstechnik. Aktionsschilder dürfen visuell auffälliger sein, müssen aber trotzdem ehrlich darüber sein, was das Angebot tatsächlich beinhaltet. Eine gute Beschilderung hilft der Kundin, sich selbst zurechtzufinden, ohne dass sie nach allem fragen muss — das gibt dir Zeit für die Kunden frei, die persönliche Beratung brauchen.
Von der Theorie zur Praxis
Du musst dir nicht alle Prinzipien auf einmal merken. Fang mit Beobachten an: Geh als Kunde durch deinen eigenen Laden und achte darauf, wo dein Blick zuerst hängen bleibt, wie die Farben auf dich wirken und ob das Licht die Waren einladend macht. Mit der Zeit wird diese Beobachtung zu einem festen Teil davon, wie du am Erscheinungsbild des Ladens arbeitest.
“Gutes Visual Merchandising sieht man nicht — man spürt es, so wie wenn sich der Laden 'einfach' richtig anfühlt, wenn man darin herumgeht.”