Elektrifizierung des Schwerverkehrs
Batterieelektrische Lkw werden Teil des Alltags
Einleitung
Wie Personenwagen sind auch schwere Fahrzeuge auf dem Weg zur Elektrifizierung, und die Entwicklung geht schneller, als viele vor wenigen Jahren erwartet hatten. Für den Nutzfahrzeugmechaniker bedeutet das einen Beruf im Wandel, in dem das Wissen über den Dieselmotor noch viele Jahre zentral bleibt, in dem aber Batterie- und Elektroantriebssysteme einen immer größeren Teil des Alltags ausmachen.
Die Hersteller setzen auf Elektro
Mehrere der großen Lkw-Hersteller haben bereits batterieelektrische Modelle im Einsatz. Volvo Trucks hat mit dem Logistikunternehmen DSV eine Vereinbarung über die Lieferung von 300 elektrischen schweren Lkw geschlossen, als Teil des Plans von DSV, bis 2030 über 2.000 elektrische Lkw in der Flotte zu haben. Mercedes-Benz liefert das Modell eActros, das sowohl im Regional- als auch im internationalen Verkehr eingesetzt wird, und Scania hat batterieelektrische Sattelzugmaschinen geliefert, unter anderem an das dänische Unternehmen Autologik. Gemeinsam ist den Herstellern, dass elektrische Lkw heute für Teile des Schwerlastverkehrs — besonders für den Regional- und Verteilerverkehr — eine reale Möglichkeit sind und nicht mehr nur ein Versuchsprojekt.
Ladeinfrastruktur in Dänemark
Ein Elektro-Lkw ist nur so nützlich wie die Ladeinfrastruktur, die es für ihn gibt. In Dänemark hat das Energieunternehmen Norlys mehrere Ladeparks für den Schwerverkehr eingerichtet, verteilt von Randers im Norden bis Køge im Osten, darunter den ersten öffentlichen MCS-Lader (Megawatt Charging System) des Landes in Sdr. Borup bei Randers, der ein schnelleres Laden der größten Batterien ermöglicht. Vejdirektoratet (die dänische Straßenbehörde) schätzt, dass in Dänemark im Jahr 2030 rund 25 Ladeparks für Elektro-Lkw nötig sein werden, um die EU-Verordnung über die Infrastruktur für alternative Kraftstoffe (AFIR) zu erfüllen.
Was bedeutet das für das Fach?
Elektro-Lkw stellen andere Anforderungen an den Mechaniker als dieselbetriebene: Hochspannungssysteme erfordern eine besondere Sicherheitsschulung und -ausrüstung, Kühlanlagen für Batterie und Elektromotor ersetzen Teile des klassischen Kühlsystems, und die Fehlersuche verlagert sich noch stärker in Richtung Elektronik und Softwarediagnose. Gleichzeitig bleiben Mechanikbereiche wie Bremsen, Federung, Lenkung und Karosserie weitgehend unverändert, unabhängig vom Antriebsstrang. Die meisten Werkstätten werden noch jahrelang eine gemischte Flotte aus Diesel- und Elektrofahrzeugen betreuen, was verlangt, dass der Mechaniker beides beherrscht.
- 01Volvo, Mercedes und Scania haben heute batterieelektrische Lkw im kommerziellen Einsatz.
- 02Norlys und andere Akteure bauen die Ladeinfrastruktur für den Schwerlastverkehr in Dänemark aus.
- 03Die AFIR-Verordnung der EU stellt Anforderungen an ein Mindestmaß an öffentlicher Ladeinfrastruktur entlang des übergeordneten Straßennetzes.
- 04Staatliche Fördertöpfe unterstützen die Umstellung von Unternehmen auf elektrische Lkw.
Die Elektrifizierung des Schwerverkehrs ist bereits im Gange, aber sie ist eher ein allmählicher Umbau als ein plötzlicher Wechsel — genau wie damals, als der Dieselmotor vor hundert Jahren Dampf und Benzin im Schwerverkehr nach und nach ablöste.