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Artikel·Mediengrafiker·Farbmanagement

Farbmanagement mit ICC-Profilen in der Praxis

So sieht die Farbe vom Bildschirm bis zum Druck gleich aus

Einleitung

Einer der frustrierendsten Momente im Leben eines Mediengrafikers ist, wenn das schöne Blau vom Bildschirm als etwas ganz anderes aus der Druckmaschine kommt. Die Ursache ist fast immer fehlendes Farbmanagement. Jedes Gerät — Bildschirm, Scanner, Drucker, Druckmaschine — gibt Farben auf seine eigene Weise wieder. Farbmanagement ist das System, das sie miteinander verbindet, sodass eine Farbe auf dem ganzen Weg dasselbe bedeutet.

Warum Farben sich verschieben

Eine Farbe, die als bestimmte Zahlenwerte in einer Datei definiert ist, hat für sich genommen kein festes Aussehen — sie muss von einem Gerät interpretiert werden. Zwei Bildschirme mit denselben Zahlenwerten zeigen unterschiedliche Farben, weil ihre Panels unterschiedlich sind. Dasselbe Problem entsteht zwischen Bildschirm und Druck. Ohne ein gemeinsames Bezugssystem ist Farbe im Grunde eine Vermutung darüber, was die Zahlen „meinen“.

ICC-Profile und Farbräume

Ein ICC-Profil (definiert vom International Color Consortium) ist eine Datendatei, die beschreibt, wie ein bestimmtes Gerät oder ein bestimmter Farbraum Farbe wiedergibt. Das Profil übersetzt zwischen den geräteeigenen Farbwerten und einem neutralen, geräteunabhängigen Referenzraum (einem Profilverbindungsraum, der auf der Art beruht, wie das menschliche Sehen Farbe wahrnimmt). Haben sowohl Quelle als auch Ziel ein korrektes Profil, lässt sich eine Farbe glaubwürdig von einem Gerät auf das andere übersetzen.

  • 01Ein Dokument- bzw. Arbeitsfarbraum legt fest, wie die Farbwerte der Datei zu deuten sind.
  • 02Ein Bildschirmprofil beschreibt, wie dein Bildschirm Farbe wiedergibt.
  • 03Ein Ausgabeprofil (Drucker oder Druckmaschine) beschreibt die Wiedergabe des Ziels.
  • 04Das Farbmanagement übersetzt zwischen ihnen über den neutralen Verbindungsfarbraum.

Kalibrierung — das Fundament

Das Farbmanagement ist nur so gut wie dein Bildschirm. Ein unkalibrierter Bildschirm lügt über die Farben, und dann hilft kein Profil. Deshalb kalibriert man den Bildschirm — am besten mit einem Messgerät — damit er Farbe vorhersehbar zeigt, und man arbeitet in gleichmäßigem, neutralem Licht. Kritische Farben auf einem beliebigen, hellen Bildschirm in gemischtem Raumlicht zu bearbeiten, heißt auf Sand zu bauen.

Rendering Intents

Manche Farben in einem großen Farbraum lassen sich in einem kleineren nicht wiedergeben — zum Beispiel sehr gesättigte RGB-Farben, die außerhalb dessen liegen, was der Druck schafft. Ein Rendering Intent bestimmt, wie die Farben außerhalb des Bereichs bei der Konvertierung behandelt werden: Manche priorisieren es, den Gesamteindruck und weiche Übergänge zu bewahren (gut für Fotos), andere priorisieren präzise, kräftige Farbflächen (gut für Logos und Grafiken). Wähle den Intent danach, wofür das Bild verwendet werden soll.

Softproofing und vereinbartes Druckprofil

Softproofing bedeutet, dass du auf einem kalibrierten Monitor simulierst, wie die Datei in einem bestimmten Druckverfahren aussehen wird, indem du sie durch das Ausgabeprofil der Druckerei betrachtest. Das gibt einen realistischen Vorabeindruck, bevor irgendetwas gedruckt wird. Deshalb ist es entscheidend, mit der Druckerei zu vereinbaren, welches Farbprofil und welcher Druckstandard gelten — so arbeitest du auf genau die Wiedergabe hin, die die Maschine liefert, statt zu raten.

SchrittWas du sicherstellst
Kalibriere den BildschirmDass du dem trauen kannst, was du siehst
Stelle den Arbeitsfarbraum einDass die Farbwerte der Datei einheitlich interpretiert werden
Profile in Dateien einbettenDass die Farbe beim Empfänger gedeutet werden kann
Kläre das Profil/den Standard der Druckerei abDass du gegen die tatsächliche Wiedergabe der Druckmaschine arbeitest
Softproof vor der LieferungDass du einen realistischen Vorabeindruck des Drucks bekommst

Schwarz, Passer und drucktechnische Fallstricke

Das Farbmanagement löst nicht alles — es gibt drucktechnische Entscheidungen, die das Profil nicht steuert. Zum Beispiel, wie Schwarz zusammengesetzt wird (reines Schwarz gegenüber einer tieferen Mischung aus mehreren Farben) und wie viel Farbe insgesamt übereinander liegen darf, bevor das Papier nicht mehr trocknen kann. Vereinbare solche drucktechnischen Grenzen mit der Druckerei und gleiche deine Entscheidungen mit deren Spezifikation ab, statt eine Zahl zu raten.

Farbmanagement macht Farben nicht perfekt — es macht sie vorhersehbar. Und Vorhersehbarkeit ist das, was einen Profi von jemandem unterscheidet, der beim Druck die Daumen drückt.

Prinzip des angewandten Farbmanagements