Die Geschichte des Mediengrafikers: von Gutenberg zum Pixel
Wie die Druckkunst zu Grafikdesign und digitaler Produktion wurde
Einleitung
Der Mediengrafiker formt Botschaften so, dass sie leicht zu verstehen und angenehm anzusehen sind — im Druck und auf dem Bildschirm. Aber das Fach wurde nicht mit dem Computer geboren. Es ist eine moderne Ausgabe eines der ältesten technischen Handwerke überhaupt: der Kunst des Buchdruckers und Schriftsetzers, Schrift und Bild zu etwas zusammenzufügen, das vervielfältigt werden kann. Um zu verstehen, warum wir von Schriftarten, Satz, Korrektur und Druck sprechen, muss man die lange Linie zurück zu Gutenberg kennen.
Vor dem Druck: handgeschriebene Bücher
Vor der Druckkunst wurde jedes einzelne Buch von Hand abgeschrieben, oft von Mönchen in Klöstern, die Texte Buchstabe für Buchstabe kopierten. Das war eine enorme Arbeit: Ein einzelnes Buch konnte Monate oder Jahre dauern, und Bücher waren deshalb so teuer, dass nur Kirche, Adel und Universitäten sie besaßen. Die Schrift, das Layout, die farbigen Initialen und die Illustrationen waren alles Handarbeit — und zwei Abschriften desselben Buchs waren nie ganz gleich.
Gutenberg und die beweglichen Lettern
Der alles entscheidende Durchbruch kam um die Mitte des 15. Jahrhunderts, als Johannes Gutenberg in Deutschland mehrere Erfindungen zu einem System zusammenführte: die losen, gegossenen Metalltypen. Statt eine ganze Seite in Holz zu schneiden, konnte man nun jeden Buchstaben einzeln gießen, sie zu Wörtern und Zeilen zusammensetzen, die Seite in vielen Exemplaren drucken und die Typen danach wieder auseinandernehmen und erneut verwenden. Zusammen mit einer Presse und einer fetten Druckfarbe machte das es möglich, Text schnell und gleichförmig zu vervielfältigen.
Die Druckkunst verbreitete sich blitzschnell und veränderte die Welt: Wissen konnte nun breit geteilt werden, und ein ganz neuer Stand von Buchdruckern, Schriftgießern und später Typografen entstand. Viele der Begriffe, die ein Mediengestalter heute benutzt — Schriftart, Satz, Spalte, Korrektur — stammen direkt aus dieser Zeit mit Metalltypen.
Der industrielle Satz: Bleisatz und Setzmaschinen
In den Jahrhunderten nach Gutenberg wurde die Typografie verfeinert, aber der Satz selbst blieb Handarbeit: Jeder Buchstabe wurde aus einem Kasten gegriffen und von Hand aufgereiht. Mit der Industrialisierung im 19. Jahrhundert kamen die Setzmaschinen, die nach Tastatureingabe ganze Zeilen aus Blei auf einmal gießen und setzen konnten. Damit ließen sich Zeitungen und Bücher weit schneller und billiger herstellen, und das wurde über viele Jahrzehnte zum Rückgrat der Zeitungsproduktion.
Das Fach teilte sich in Fachrichtungen: Der Schriftsetzer setzte den Text, Lithograf und Reprograf kümmerten sich um Bilder und Druck, und der Buchdrucker steuerte die Presse. Es war ein schweres, körperliches Handwerk mit geschmolzenem Blei, Druckerschwärze und großen Maschinen — und es brauchte eine lange Lehrzeit, um es zu meistern.
Fotosatz: Licht statt Blei
Der nächste große Wandel kam mit dem Fotosatz in den 1960er und 70er Jahren. Statt Buchstaben in Blei zu gießen, erzeugte man den Text, indem Licht durch Negative der Buchstaben auf lichtempfindlichen Film oder Papier projiziert wurde. Blei verschwand allmählich aus den Druckereien, und die Produktion wurde sauberer, schneller und flexibler. Das ebnete den Weg für den Offsetdruck und einen völlig neuen Arbeitsablauf, in dem der Text zu einem fotografischen Bild statt zu einem physischen Stück Metall wurde.
Die Desktop-Publishing-Revolution
Die Veränderung, die mehr als jede andere den modernen Beruf des Mediengrafikers geschaffen hat, kam Mitte der 1980er Jahre. Die Kombination aus einem Personal Computer mit grafischer Benutzeroberfläche, einem Umbruchprogramm und einem Laserdrucker machte es plötzlich möglich, das fertige Layout direkt am Bildschirm zu erstellen und es so zu sehen, wie es im Druck aussehen würde. Diese „Desktop-Publishing“-Revolution — mit PageMaker auf dem Apple Macintosh und dem Laserdrucker um 1985 — verlagerte die Arbeit von den spezialisierten Maschinen der Druckerei auf den Schreibtisch des einzelnen Designers.
Kurz darauf folgten Bildbearbeitungs- und Vektorprogramme, die volle digitale Kontrolle über Fotos und Grafik gaben. 1990 erschien Adobe Photoshop, und die digitale Bildbearbeitung wurde für die Branche zum Allgemeingut. Die alten Handwerke verschwanden nicht — sie wurden zu Werkzeugen auf einem Bildschirm.
| Zeitraum | Was ist geschehen |
|---|---|
| Vor dem Druck | Bücher werden von Hand abgeschrieben; teuer und selten; keine zwei gleich |
| Mitte des 15. Jahrhunderts | Gutenbergs bewegliche Metalllettern — die Druckrevolution in Europa |
| Das 16.–18. Jahrhundert | Die Typografie wird verfeinert; Handsatz aus dem Setzkasten |
| Das 19. Jahrhundert | Industrialisierung; Setzmaschinen gießen ganze Bleizeilen; Zeitungen in Massen |
| Die 1960er–70er Jahre | Fotosatz — Licht und Film lösen das Blei ab; Offsetdruck |
| Um 1985 | Desktop Publishing: PC, Umbruchprogramm und Laserdrucker (PageMaker/Macintosh) |
| 1990 | Adobe Photoshop — digitale Bildbearbeitung wird zum Standard |
| Heute | Bildschirm- und webbasierte Produktion; der Druck ist nur eines von vielen Medien |
Das Fach heute: viele Medien, dasselbe Handwerk
Heute macht der Mediengrafiker nicht nur Drucksachen. Websites, Apps, soziale Medien, Newsletter und Video sind ebenso wichtige Flächen wie das Plakat und die Broschüre. Die Produktion ist von Anfang bis Ende digital, und ein großer Teil der fertigen Arbeit wird nie auf Papier gesehen. Dennoch baut das Fach weiterhin auf denselben Grundprinzipien auf, die Schriftsetzer seit Gutenberg pflegen: die richtige Schrift zu wählen, eine lesbare Hierarchie zu schaffen, Text und Bild auszubalancieren und die Fehler zu fangen, bevor sie teuer werden. Die Werkzeuge haben von Blei zu Pixel gewechselt — aber das Handwerk, eine Botschaft klar zu vermitteln, ist dasselbe.
“Von Gutenbergs beweglichen Lettern bis zu den Pixeln des Bildschirms hat sich die Aufgabe nie verändert: eine Botschaft klar und angenehm anzusehen zu machen.”
— Über die Geschichte des Mediengrafikers