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EU-Lenk- und Ruhezeiten für Busse

4,5 Std. → Pause, 9 Std. Tag, 56 Std. Woche, 11 Std. Ruhe

2026-06-14·13 min Lesezeit

Die Verordnung (EG) 561/2006 setzt die Grenzen: Pause nach 4,5 h, tägliche Lenkzeit 9 h, wöchentlich 56 h und tägliche Ruhezeit 11 h. Hier sind die Regeln und die wichtigsten Ausnahmen.

Einleitung

Die Personenbeförderung mit einem Fahrzeug, das für mehr als 9 Personen einschließlich des Fahrers ausgelegt ist, fällt unter die EU-Lenk- und Ruhezeitregeln — dasselbe Regelwerk wie für Lkw. Die Regeln stehen in der Verordnung (EG) 561/2006 (geändert durch 2020/1054), und der Fahrtenschreiber wird durch die Verordnung (EU) 165/2014 geregelt.

Die Grenzwerte

ParameterGrenze
Ununterbrochene Lenkzeit vor der Pause4,5 Stunden
Pause nach 4,5 h45 Min. zusammenhängend (teilbar in 15 + 30 Min.)
Tägliche Lenkzeit9 Std. — verlängerbar auf 10 Std. höchstens 2-mal/Woche
Wöchentliche LenkzeitMax. 56 Stunden
Über 2 zusammenhängende WochenMax. 90 Stunden
Tägliche Ruhezeit11 Std. — höchstens dreimal zwischen zwei Wochenruhezeiten auf 9 Std. reduzierbar
Wöchentliche RuhezeitMindestens 45 h — reduzierbar auf 24 h (mit Ausgleich innerhalb von 3 Wochen)
Stunden im 24-Stunden-FensterFahrt 4½ Std.Fahrt 4½ Std.Ruhe 11 h45 mintägliche Lenkzeit 9 h (max. 10 h 2×/Woche)
Fig. Ein zulässiger Fahrtag: 4½ Std. Fahrt + 45 Min. Pause + 4½ Std. Fahrt = 9 Std., danach 11 Std. Ruhezeit

Die vier Tätigkeiten — und wie sie erfasst werden

Die Vorschriften unterscheiden vier Arten von Zeit, und der Fahrtenschreiber muss für jede davon das richtige Symbol eingeschaltet haben. Wirfst du sie durcheinander, rechnen die Behörden sie bei einer Kontrolle gegen dich. Der Wechsel zwischen den Symbolen erfolgt manuell am Fahrtenschreiber (abgesehen von der Fahrt selbst, die automatisch erfasst wird, wenn der Bus fährt).

  • 01Fahren (Lenkrad-Symbol) — die gesamte Zeit, in der der Bus fährt. Zählt zur Lenkzeit und startet die 4,5-Stunden-Uhr.
  • 02Sonstige Arbeit (Hammer-/Kreuz-Symbol) — Tanken, Abfahrtskontrolle, Reinigung, Ticketverkauf, Ab- und Aufladen von Gepäck, Hilfe für Fahrgäste. Ist Arbeitszeit, aber keine Lenkzeit — und zählt NICHT als Pause.
  • 03Bereitschaftszeit (Quadrat-Symbol) — Wartezeit, die du im Voraus kennst, z. B. eine Fährüberfahrt oder Wartezeit, während ein anderer Fahrer fährt (Doppelbesetzung). Kann unter bestimmten Bedingungen als Pause/Ruhezeit zählen.
  • 04Pause/Ruhezeit (Bett-/Strich-Symbol) — Zeit, über die du frei verfügst und in der du nicht arbeitest. Nur diese Zeit setzt die 4,5-Stunden-Uhr zurück.

Geteilte Tagesruhezeit und Ruhezeit im Fahrzeug

Die tägliche Ruhezeit von 11 Stunden kann in einem zusammenhängenden Stück genommen oder in zwei geteilt werden: zuerst mindestens 3 Stunden, danach mindestens 9 Stunden — insgesamt mindestens 12 Stunden, wenn die Ruhezeit geteilt wird (Art. 4 und 8 der Verordnung 561/2006). Das schafft Raum etwa für eine lange Standzeit mitten am Tag. Die tägliche Ruhezeit (und eine reduzierte Wochenruhezeit) darf im Fahrzeug verbracht werden, sofern der Bus stillsteht und über eine geeignete Schlafkabine verfügt. Die regelmäßige Wochenruhezeit von 45 Stunden darf dagegen nicht im Fahrzeug verbracht werden — sie muss außerhalb des Busses genommen werden, und der Betreiber muss die Unterkunft bezahlen (2020/1054).

Doppelbesetzung (Multi-Manning)

Bei Doppelbesetzung sind mindestens zwei Fahrer im Bus, um in jedem Fahrtabschnitt zu fahren. Dann gilt eine mildere Ruheregel: Die tägliche Ruhezeit von mindestens 9 Stunden muss lediglich innerhalb von 30 Stunden nach dem Ende einer täglichen oder wöchentlichen Ruhezeit eingelegt werden — gegenüber normalerweise 24 Stunden bei einem Einzelfahrer. Die Zeit, in der der eine Fahrer daneben sitzt und der andere fährt, kann als Bereitschaftszeit gezählt werden (die erste Stunde ist allerdings keine Bereitschaftszeit, wenn der Fahrer aktiv mithilft). Doppelbesetzung wird typischerweise bei langen Reisebusfahrten eingesetzt.

Die Fähr- und Zugausnahme (Art. 9 Abs. 1)

Eine für Busse relevante Ausnahme gilt, wenn der Fahrer den Bus auf einer Fähre oder im Zug begleitet — zum Beispiel ein Reisebus auf der Fähre nach Deutschland oder Norwegen oder auf einem Autozug. Hier darf eine regelmäßige tägliche Ruhezeit (und eine reduzierte wöchentliche Ruhezeit) durch andere Tätigkeiten unterbrochen werden, ohne dass die Ruhezeit ihren Status als Ruhezeit verliert. Die Bedingungen sind eng: Die Unterbrechung darf höchstens zweimal erfolgen, die gesamte Unterbrechung muss so kurz wie möglich sein und insgesamt unter 1 Stunde liegen, und der Fahrer muss während der Überfahrt Zugang zu einer Koje oder einem Liegeplatz (Schlafkabine) haben. Das ermöglicht es, an Bord zu fahren, einen Teil der Ruhezeit unterwegs zu nehmen und von Bord zu fahren, ohne dass die gesamte Ruhezeit verloren geht.

VerhältnisRegel (Art. 9 Abs. 1)
GiltDer Fahrer begleitet den Bus auf der Fähre oder im Zug
Darf unterbrochen werdenReguläre tägliche Ruhezeit (und reduzierte Wochenruhezeit)
Anzahl der UnterbrechungenHöchstens 2 Mal von anderer Aktivität
GesamtdauerSo kurz wie möglich, insgesamt unter 1 Stunde
AnforderungZugang zu einer Schlaf-/Liegemöglichkeit (Schlafkabine, Koje oder Liegewagen)

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