Die Beförderung von gehbehinderten Fahrgästen erfordert besonderes Wissen und Fürsorge. Hier werden Hublift/Rampe, die 4-Punkt-Sicherung, die Kommunikation und die Inhalte der Schulung zur Behindertensensibilisierung durchgegangen.
Einleitung
Die Schulung zur Sensibilisierung für Behinderungen ist ein Pflichtteil der Fahrerausbildung: Diese gehört zum Stoff der Grundqualifikation (BEK 412/2025 Anlage 1, Punkt 3.8), und im Linienverkehr muss das Busunternehmen dafür sorgen, dass die Fahrer eine behindertenbezogene Schulung erhalten haben (Verordnung (EU) 181/2011 Art. 16). Damit erhältst du Wissen und Praxis, um Fahrgäste mit Bewegungs- oder Sinnesbehinderung sicher, würdig und respektvoll zu befördern.
Hebebühne und Rampe
- 01Manuelle Klapprampe: schräge Platte, die vom Fußbodenniveau des Busses zum Gehweg ausgelegt wird. Leicht und schnell, setzt aber voraus, dass Gehweg und Busboden einen passenden Höhenunterschied haben.
- 02Elektrische Hebebühne: eine Plattform, die vom Busboden auf Straßenniveau abgesenkt wird. Sie bewältigt jeden Höhenunterschied; sie braucht mehr Platz und regelmäßige Wartung.
- 03Kontrolliere Hublift/Rampe immer beim Abfahrtscheck — ein ausfallender Lift an der Haltestelle ist nicht nur lästig, er kann einem Fahrgast den Ausstieg unmöglich machen.
Festzurren eines Rollstuhls (4-Punkt)
- 014-Punkt-Zurrsystem: zwei Gurtklemmen vorn und zwei hinten am Rahmen des Rollstuhls — niemals an den Rädern.
- 02Fahrgastgurt: separater Gurt um den Körper des Fahrgastes (Schulter + Becken) — der eigene Gurt des Rollstuhls reicht nicht aus.
- 03Kontrolliere, dass die Zurrgurte gespannt und die Clips eingerastet sind, bevor der Bus losfährt.
- 04Der Rollstuhl muss in den dafür ausgelegten Rollstuhlplätzen mit dem Rücken entgegen der Fahrtrichtung stehen — prüfe die Dokumentation des Busses.
Kommunikation und Verhalten
- 01Frage den Passagier immer, was er braucht — nimm nicht an, was er kann und nicht kann.
- 02Nimm dir Zeit — gedrängte Einstiegszeiten sind die Ursache vieler Unfälle.
- 03Nutze Blickkontakt und zugewandte Körpersprache; Fahrgäste mit Sehbehinderung werden mit verbaler Anleitung eingewiesen.
- 04Dokumentiere Fehler an Hubbühne/Rampe und melde sie dem Fuhrunternehmen umgehend.
Fahrgastrechte im Busverkehr (EU)
Fahrgäste mit Behinderung oder eingeschränkter Mobilität haben Rechte nach der Verordnung (EU) 181/2011 über die Fahrgastrechte im Kraftomnibusverkehr. Ein Grundstock an Rechten gilt für den gesamten Linienverkehr, während die weitergehenden Rechte (u. a. kostenlose Hilfeleistung) für Linienverkehr mit einer Streckenlänge von 250 km oder mehr gelten. Die Verordnung verpflichtet sowohl den Beförderer als auch das Terminal — nicht nur den Fahrer.
- 01Recht auf Beförderung und Fahrschein ohne Aufpreis — ein Fahrgast darf nicht allein wegen einer Behinderung abgewiesen werden.
- 02Kostenlose Hilfeleistung im Bus und an benannten Busbahnhöfen auf Linien von mindestens 250 km — wenn der Bedarf spätestens 36 Stunden vorher gemeldet wurde und der Fahrgast sich an der vereinbarten Stelle einfindet (höchstens 60 Min., sonst spätestens 30 Min. vor Abfahrt) (Art. 13-14).
- 03Entschädigung bei Verlust oder Beschädigung von Rollstühlen und anderen Mobilitätshilfen während der Beförderung.
- 04Zugängliche Reiseinformationen und ein System zur Bearbeitung von Beschwerden.
Technische Anforderungen an einen barrierefreien Bus
Die technischen Anforderungen daran, wann ein Bus barrierefrei ist, stehen in der UNECE Regulation No. 107 (M2/M3). Das Reglement verlangt unter anderem einen niedrigen Einstieg (Niederflur oder Low-Entry), die Möglichkeit, den Bus zum Bordstein abzusenken (Kneeling), eine zugelassene Rampe oder Hebebühne mit begrenzter Neigung, mindestens einen gekennzeichneten Rollstuhlplatz mit vorgeschriebenen Mindestmaßen, bevorzugte Sitze für gehbehinderte Personen sowie einen Haltewunschknopf, der vom Rollstuhlplatz aus erreichbar ist. Die genauen Maße und Neigungsgrenzen gehen aus dem Anhang zur Barrierefreiheit in R107 hervor — schlage sie dort nach, statt zu raten.
Die dänischen Anforderungen: BEK 1487/2007
Zusätzlich zur Typgenehmigung stellt die Verordnung über besondere Anforderungen an Busse (BEK Nr. 1487 vom 12.12.2007) konkrete Anforderungen an Busse in der gewerblichen Personenbeförderung. Die Anforderungen in §§ 7 und 9-11 gelten nicht für Busse, die vor dem 13. Februar 2004 erstmals zugelassen wurden.
- 01Stadtbus (Bus mit Stehplätzen, häufigem Ein- und Aussteigen und Platz für mehr als 22 Fahrgäste): mindestens ein Rollstuhlplatz und mindestens vier reservierte Plätze für andere mobilitätseingeschränkte Fahrgäste (§§ 6 und 9).
- 02Linienverkehr auf Linien von mindestens 100 km: Platz für mindestens zwei Rollstühle — bei mehreren Abfahrten genügt es, wenn mindestens ein Bus täglich in jeder Richtung ihn hat (§ 6 Abs. 3-4).
- 03Ein Rollstuhl von 1200 × 700 × 1090 mm muss durch mindestens eine Tür hinein und bis zum Platz gelangen können; an der Tür muss eine Absenkvorrichtung (Kneeling) und ein Lift oder eine Rampe sein, und außen ein Rufknopf höchstens 1.300 mm über dem Boden (§ 7).
- 04Haltewunschtaste an Rollstuhlplätzen und reservierten Plätzen 700-1200 mm über dem Boden und höchstens 8 % Bodenneigung auf dem Weg dorthin (§ 11).
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