Die charakteristische Druckfestigkeit von Mauerwerk f_k wird als K · f_b^0,70 · f_m^0,30 berechnet. Hier sind die K-Koeffizienten, die Einschränkungen und ein durchgerechnetes Beispiel.
Einleitung
Bevor du die Tragfähigkeit einer gemauerten Wand nachweisen kannst, musst du die charakteristische Druckfestigkeit des Mauerwerks f_k kennen. Sie verbindet die normierte Festigkeit des Steins (f_b) und die Festigkeit des Mörtels (f_m) in einer Potenzformel aus EN 1996-1-1.
Die Potenzformel
K-Koeffizienten (Tabelle 3.1)
| Steinart | Gruppe | K (Universalmörtel) |
|---|---|---|
| Ziegel / gebrannter Ton und Kalksand | 1 | 0,55 |
| Ziegel / gebrannter Ton und Kalksand | 2 | 0,45 |
| Blähtonbeton | 1 | 0,55 |
| Blähtonbeton | 2 | 0,52 |
| Porenbeton | — | 0,55 |
Beispiel
Mauerziegel Gruppe 1 mit f_b = 10 MPa und M10-Mörtel (f_m = 10 MPa): f_k = 0,55 · 10^0,70 · 10^0,30. Da 10^0,70 · 10^0,30 = 10^1 = 10 ist, wird f_k = 0,55 · 10 = 5,50 MPa.
Woher kommt f_b? Der Formfaktor δ
f_b in der Formel ist nicht die deklarierte Festigkeit des Steins in roher Form. Es ist die normalisierte mittlere Druckfestigkeit des Steins: die geprüfte mittlere Druckfestigkeit, umgerechnet auf einen gedachten Stein von 100 × 100 mm. Die Umrechnung erfolgt mit einem Formfaktor δ nach DS/EN 772-1, denn ein niedriger, breiter Stein misst eine andere Druckfestigkeit als ein hoher, schmaler — die Geometrie beeinflusst die Prüfung.
Beispiel (die Methode): ein Stein mit geprüfter mittlerer Druckfestigkeit f_st = 30 MPa. Wird δ in Tabelle A.1 zu etwa 0,8 für Höhe/Breite des Steins abgelesen, ergibt sich f_b = 0,8 · 30 = 24 MPa. Der δ-Wert MUSS in der Tabelle für den konkreten Stein abgelesen werden — 0,8 ist hier nur eine anschauliche Zahl, kein fester Wert.
Die Mörtelklasse und Spezialmörtel
Die Formel oben gilt für gewöhnlichen Mörtel (General Purpose Mortar) mit α = 0,70 und β = 0,30. Werden Dünnbettmörtel (Klebefuge z. B. für Porenbeton) oder Leichtmörtel verwendet, ändern sich sowohl der K-Wert als auch die Exponenten — EN 1996-1-1, Abschn. 3.6.1.2 hat eigene Ausdrücke für diese Mörtelarten (u. a. eine andere Potenz für f_b und den Wegfall des Mörtelglieds bei Dünnbettfugen). Verwende immer den Ausdruck, der zur tatsächlichen Mörtelart passt.
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