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Schlankheit und Tragfähigkeit einer gemauerten Wand

h_ef, λ und N_Rd — die drei Kennzahlen, die du prüfen musst

2026-06-16·12 min Lesezeit

Eine gemauerte Wand muss auf Schlankheit (λ ≤ 27) und auf Tragfähigkeit N_Rd = Φ·f_d·A geprüft werden. Hier ist die Methodik aus Eurocode 6 Schritt für Schritt.

Einleitung

Die Tragfähigkeit einer gemauerten Wand unter senkrechten Lasten wird in drei Schritten geprüft: wirksame Höhe, Schlankheit und Tragfähigkeit. Alle drei stammen aus EN 1996-1-1 und dem dänischen Nationalen Anhang.

Schritt 1 — wirksame Höhe und Schlankheit

h_eft_efλ = h_ef / t_efHöhe geteilt durch Dickehoch + dünn = schlank
Fig. Die Schlankheit ist das Verhältnis zwischen der wirksamen Höhe h_ef und der wirksamen Dicke t_ef — hoch und dünn = schlank

Schritt 2 — der Kapazitätsminderungsfaktor Φ

Φ hängt von Schlankheit und Exzentrizität ab. Eine hohe Schlankheit und eine große Exzentrizität verringern die Tragfähigkeit deutlich.

Schritt 3 — Tragfähigkeit N_Rd

Die Knicklängenbeiwerte ρ_n

Die wirksame Höhe h_ef = ρ_n · h hängt davon ab, wie die Wand entlang ihrer Ränder gehalten ist (EN 1996-1-1 Abschn. 5.5.1). Die Regel ist einfach: je mehr und je besser gehaltene Ränder, desto kleiner ρ, desto kürzer die wirksame Höhe und desto weniger schlank die Wand.

  • 01ρ2 = 0,75 — Wand oben und unten durch steife Decken gehalten (zum Beispiel Betondecken, die in die Wand einbinden). Der Standardfall für eine Geschosswand.
  • 02Schwache oder einseitige Einspannung — ρ nähert sich 1,0 (oder mehr bei einem freien Ende), weil sich die Wand am oberen Rand frei bewegen kann.
  • 03ρ3 und ρ4 — die Wand ist zusätzlich entlang eines bzw. zweier senkrechter Ränder gehalten (Querwände/Pilaster). ρ verringert sich weiter, berechnet aus dem Verhältnis zwischen Querwandabstand und Höhe.
  • 04Freier vertikaler Rand — entfernt die Aussteifung auf dieser Seite und erhöht ρ; eine völlig frei stehende Wand wird als Kragarm gerechnet.

Exzentrizität — die Last trifft selten genau die Mitte

Eine gemauerte Wand wird fast nie exakt mittig belastet. EN 1996-1-1 (Abschnitt 6.1.2.2) addiert mehrere Exzentrizitätsbeiträge, weil sie zusammen bestimmen, wie stark die Tragfähigkeit reduziert wird:

  • 01e_i (oben/unten) — Exzentrizität aus der Lasteinleitung selbst an der Geschossdecke, zum Beispiel eine Decke, die nur auf einem Teil der Wanddicke aufliegt (e_i = M_id/N_id).
  • 02e_hm — Exzentrizität aus waagerechter Last (Winddruck/-sog), angesetzt in Wandmitte.
  • 03e_init — eine unbeabsichtigte, eingebaute Schiefstellung aus Ausführungstoleranzen, angesetzt mit h_ef/450.
  • 04e_k — Kriechexzentrizität, die bei schlanken Wänden hinzugerechnet werden kann.

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