Prüfung
Gabelverschleiß messen und beurteilen
Die 90-%-Querschnittsregel an der Gabelferse
Die Gabeln tragen die gesamte Last und verschleißen am stärksten am Gabelrücken. Eine Gabel darf am Rücken nicht dünner als 90 % ihres ursprünglichen Querschnitts verschlissen sein — denn die Tragfähigkeit sinkt quadratisch mit der Materialdicke, sodass ein Verlust von nur 10 % ca. 20 % weniger Tragfähigkeit entspricht. So misst und dokumentierst du den Verschleiß.
Ursprüngliche Wandstärke ermitteln
Lies die ursprüngliche Materialstärke der Gabel ab oder miss sie. Sie lässt sich meist am senkrechten Teil der Gabel (dem Rücken) messen, der im Betrieb nicht verschleißt, oder sie geht aus dem Datenblatt/der Kennzeichnung der Gabel hervor. Das ist der Referenzwert, mit dem du den Verschleiß vergleichst.
Materialstärke am Gabelknick messen
Miss die Materialstärke mit einem Messschieber genau im Knick zwischen dem senkrechten Rücken und dem waagerechten Arm — dem Gabelknick. Hier sind das Moment und damit der Verschleiß am größten. Miss an beiden Gabeln; sie können unterschiedlich abgenutzt sein.
Verbleibenden Querschnitt in Prozent berechnen
Restdicke in Prozent = aktuelle Dicke am Gabelrücken geteilt durch die ursprüngliche Dicke, mal 100. Beispiel: Eine Gabel mit einer ursprünglichen Dicke von 50 mm, die auf 46 mm abgenutzt ist, hat noch 46/50 = 92 % — knapp über der Grenze. Bei 45 mm ist sie bei 90 % angelangt und muss ausgesondert werden.
Ausmusterungsgrenzeunter 90 % QuerschnittBeispiel50 mm → Grenze bei 45 mmVerstehen, warum die Grenze so scharf ist
Das Widerstandsmoment des Gabelrückens ist rechteckig (Z = b·t²/6), daher ist die Tragfähigkeit proportional zum Quadrat der Dicke. Ein Dickenverlust von 10 % ergibt daher ca. 20 % Verlust an Tragfähigkeit (0,9² ≈ 0,81). Deshalb ist die 90-%-Grenze eine harte Ausmusterungsgrenze und kein Richtwert.
Der Querschnitt misst nur das verbleibende Material — die tatsächliche Tragfähigkeit ist noch stärker gesunken.
Auch Risse, Verformung und Verriegelung prüfen
Über die Dicke hinaus: Achte auf Risse (besonders an der Ferse und an den Aufhängehaken), bleibende Verformung/Verbiegung und Höhenunterschiede der Gabelspitzen. Prüfe, dass die Arretierbolzen der Gabeln eingerastet sind, damit die Gabeln nicht seitlich auf dem Gabelträger rutschen können.
Gabelverlängerungen gesondert prüfen
Sind Gabelverlängerungen montiert, dürfen sie höchstens 50 % länger als die Originalgabeln sein und müssen sicher arretiert werden. Außerdem müssen sie CE-gekennzeichnet sein und im Tragfähigkeitsdiagramm des Staplers für die Kombination enthalten sein — eine zu lange Verlängerung verschiebt den Lastschwerpunkt weit nach vorn und zehrt stark an der Resttragfähigkeit.
Max. Länge+50 % des OriginalsErgebnis dokumentieren und bei Befunden handeln
Notiere das Messergebnis im Prüfprotokoll. Wird Verschleiß unter 90 % Querschnitt, Risse oder ein anderer Schaden festgestellt, wird der Stapler sofort außer Betrieb genommen — er darf erst wieder benutzt werden, wenn die Gabeln ausgetauscht oder von einem Sachverständigen freigegeben wurden. Gabelverschleiß ist auch Teil der gesetzlich vorgeschriebenen Hauptprüfung alle 12 Monate.
Quelle
Erstellt nach BFA Industri »Trucks« (Okt. 2023), S. 23, und ISO 5057:2022 »Industrial trucks — Inspection and repair of fork arms«.